Glauben ist nicht Wissen

Dieses Thema im Forum "Magnes Katar" wurde erstellt von Agwe, 7. Juli 2018.

  1. Agwe

    Agwe Kopfgeldjäger Kapitän

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    Der Abschied von Haydee war Agwe schwer gefallen – aber natürlich ließ der Voodoopriester sich das nicht anmerken. So wie Tako, der ewige Glücksspieler musste er das Leben halt so nehmen, wie es kam, und darauf vertrauen, dass Papa Legba, der Herr der Wegkreuzungen, sie dereinst wieder zusammenführen würde. Und bis dahin war ja auch niemandem geholfen, wenn er traurig und in sich gekehrt dahinvegetierte. Außerdem hatte er ja schließlich noch den Rest seiner Crew, um den er sich kümmern musste. Zeit um Trübsal zu blasen hatte er da nicht wirklich.


    “Momo, behalt' die Wellen im Auge. Enrico, die Hühner sind ein wenig nervös, sieh' mal nach, was sie wollen. Edward, man... äh... tu' einfach, was du so tust.“ Um ehrlich zu sein verstand Agwe nie so ganz, was sein ungläubiger Freund gerade bastelte oder machte und so hatte er mittlerweile auch jeden Versuch aufgegeben, es zu verstehen. Sicher war nur, dass Ogoun, der Herr des Eisens, sicherlich seine Freude an Edwards Kreationen hatte, auch wenn der Brillenträger sämtliche Worte von Agwe in diese Richtung vermutlich knallhart geleugnet hätte. Noch. Wenn die Zeit reif war, würde auch der zu den Loa finden, aber Agwe hatte da keine Eile. “Nur der Dumme eilt seinem Ziel entgegen, man. Der weise Mann weiß, dass die Loa schon alles richten werden und so eilt er sich nicht, aber er legt sich auch nicht auf die faule Haut. Stattdessen tut er, was er kann, ohne sich dabei übermäßig zu verausgaben. Diese Balance zu finden ist schwer, man, aber du hast ein Gespür dafür, das hab' ich in den Knochen“ hatte sein Großvater ihm einmal gesagt. Seltsam, wie oft Agwe in letzter Zeit an ihn dachte. Er würde die Tarotkarten dazu befragen müssen. Warum eigentlich würde? Im Moment war niemand an Bord ernsthaft krank, die Wetterlage schien ruhig und Momo schien kein Land weit und breit entdecken zu können. Jetzt war die Zeit nahezu wie gemacht dafür, einmal die Tarotkarten zu befragen, was sie in der Zukunft des Mojo Bunches sahen.


    “C'mon, here we go...“ Mit geübten Fingen mischte Agwe die abgewetzten Karten, welche schon durch zahllose Hände gewandert waren. Michelle Laveau hatte sie bei seiner legendären Weissagung über die Namen der Loa genutzt, die stumme Priesterin Havannah hatte mit ihnen erfahren, wie sie ihre Stimme wiedererlangen konnte und sie hatten Agwe auf die Visionsqueste geführt, die ihm schließlich zu seinen Teufelskräften verholfen hatte. Sicherlich, sie waren alt, die Farbe blätterte von ihnen ab, bei manchen konnte man die Bilder nur noch verschwommen erkennen. Aber die Loa hatten sie gesegnet und so war ihre Macht immer noch da und durch die zahllosen Gebrauchsspuren womöglich noch größer geworden. Sie würden Agwe den richtigen Weg weisen, das wusste er. Und so begann er, zu legen.


    Als erstes zog Agwe den Narren. Ein vom Namen her negatives Symbol, doch lag er aufrecht, also stand er für Neugierde, Abenteuerlust und den Beginn einer neuen Reise. Das war gut. Es zeigte, dass die Reise des Bunches noch nicht zu Ende war. Dass sie im Gegenteil womöglich noch nicht einmal richtig begonnen hatte.

    Die zweite Karte war das Rad des Schicksals, ebenfalls in der aufrechten Position. Das zeigte Veränderung an, die unvorhersehbar war, jedoch in Gestalt der nächsten Karte erscheinen mochte. Auch verlieh sie dem Narren eine neue Richtung: Die Reise, auf der sie sich befanden, würde bald einen wichtigen neuen Punkt erreichen, der über Wohl und Wehe entscheiden mochte. Tarotkarten, das hatte Agwe früh gelernt, waren keine für sich allein stehenden Identitäten, sondern unterlagen komplexen Wechselwirkungen, die ganze Bücher füllen konnten, wollte man sie angemessen beschreiben.

    Dementsprechend entfaltete auch die dritte Karte eine gänzlich neue Bedeutung. Es war der Tod, in der absteigenden Position, ein Zeichen, dass ihnen mächtige Feinde im Weg stehen würden. Feinde, die einen wichtigen Teil ihres Weges darstellen würden, keine Frage, doch sie konnten ihn ebenso schnell beenden. Gerade junge Tarotleger machten häufig den Fehler, den Tod als durchweg negative Karte zu begreifen, doch das war nicht richtig. Er konnte durchaus für ein notwendiges Ende stehen, etwas, das über seine Zeit hinaus existierte oder mehr Schaden als Nutzen brachte, doch in der abwärtsgewandten Legung stand der Tod für ein vorzeitiges Ende, das die von den anderen Karten angekündigte Reise unterbrechen konnte. Auf diesen Sensenmann würde er Acht geben müssen.


    Agwe brütete immer noch über den drei Karten, die er gezogen hatte, als Momos Stimme ihn aus diesen Grübeleien riss. “LAAAAAND IN SICHT!“ Nun, weiter zu überlegen würde auch nichts bringen. Er konnte sich genau so gut ansehen, worauf sie da zusteuerten. Alles weitere würde sich schon ergeben, wenn die Loa befanden, dass die Zeit reif dafür war. “Comin', man.“

    Als Agwe nach draußen trat, verschlug ihm der Anblick fast die Sprache. Was da für eine Insel zu sehen war, hätte er sich in seinen kühsten Träumen nie ausmalen können. Sie war verhältnismäßig klein, sogar noch kleiner als Black Lung, doch zwei Dinge fielen an ihr sofort ins Auge. Zum einen war da der massive Berg, augenscheinlich ein Vulkan, wenn man nach dem abgeschnittenen Kegel ging, der die Grundform dieses Gebirgsmassivs formte, doch das war nicht weiter auffällig, viele Inseln hatten so etwas. Nein, stattdessen fiel auf, dass auf diesem Berg etwas wucherte, das aussah wie ein weißes Gebilde aus Kristall.

    Direkt vor dem Berg hingegen lag eine Stadt, der Größe nach zu urteilen wohl die einzige auf dieser Insel – oder jedenfalls die mächtigste, denn neben ihr würde kaum etwas anderes auf diesen Flecken Landschaft passen. Diese Stadt sah aus, als hätte man sie aus Glas und Metall erbaut, ein Trabant an Eleganz und Effizienz. Zwar konnte Agwe von hier aus nur Umrisse und Schemen erkennen, aber was er sah, war beeindruckend. Hier regierte der Fortschritt, das sah man sofort. Diese Stadt war sauber, aufgeklärt, hatte vermutlich eine gegen null gehende Kriminalität und ihre Bewohner waren vermutlich eingefleischte Wissenschaftler, die ihre Kinder schon früh zur Schule schickten, damit sie genau so wurden wie sie: Aufgeklärt, zielstrebig und erfolgreich.

    Agwe atmete den Rauch seines Zigarillos aus, welcher sich wie eine bläulich-weiße Schlange in die Luft erhob und davonwehte. “Kurs halten, man“, befahl er, ehe er, eher an sich selbst gewandt, hinzufügte: “Ich werde diese Insel hassen, man. Can see it already.“
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Juli 2018
  2. Noah

    Noah Kopfgeldjäger

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    "Guten Tag, da oben!" war vermutlich nicht etwas was der durchschnittliche Mensch erwartete aus einem Hafenbecken hervorgerufen bekommen zu hören. Entsprechend verwundert sah der junge Mann aus, der über den Rand hinunterguckte. Noah lächelte ihn an. "Könnten Sie mir zufällig sagen, welche Insel das hier ist?" Der Mensch blinzelte. "Das wissen Sie nicht?" Noah zuckte mit den Schultern. "Ich kenne mich auf der Grand Line nicht so besonders aus." "Sie sind auf Magnes Katar gelandet! Fortschrittlichste Insel, dieser Seite der Red Line!" Er zeigte nach links. "Dort drüben finden Sie einen Steg zum Hinaufsteigen." "Danke!" Noah tauchte wieder unter.

    Er musste unter einigen Schiffen durchtauchen ehe er endlich den Steg entdeckte. Sofern man von einer stählernen Platte, die auf dem Wasser lag wirklich als Steg sprechen mochte. Aber es war stabil und knapp genug an der Oberfläche, dass Noah sich mühelos aus dem Wasser ziehen konnte und darauf kam es schließlich an. Auf dem Steg wartete schon der junge Mann von vorhin auf ihn. "Schwimmen Sie öfter von Insel zu Insel?" Noah lachte. "Auf der Grand Line? Um Himmels Willen nein, das würde ich nie überleben. Ich musste mich nur etwas verfrüht von den Händlern verabschieden, die so freundlich waren mich mitzunehmen, aber nicht gewillt, hier anzulegen." So konnte man es tatsächlich formulieren, wenn man außer Acht ließ, dass es Noah gerade noch so gelungen war seine wenigen Habseligkeiten in einen Sack zu stopfen und von Bord zu springen, ehe die Menschen ihn packen konnten. "Huh. Schätze so was kann vorkommen." "Passiert mir öfter, als man denkt. Sagen Sie, wo finde ich den hier eine billige Unterkunft? Möglichst eine, wo... man auch ausgefallenere Gäste aufnimmt?" Diesmal lachte der Mensch. "Mein Freund, machen Sie sich da mal keine Sorgen! In dieser Stadt sind Sie überall herzlich willkommen, so wie jeder Gast." Noah vermied es eine skeptische Augenbraue zu heben. Einerseits weil er keine Augenbrauen hatte und diese Form der Mimik bei ihm einfach seltsam aussah. Andererseits wollte er dem jungen Mann diesen Glauben nicht absprechen. Konnte ja sein, dass er Recht hatte. "Am Besten gehen Sie zum 'Induktiven', kann ich nur empfehlen. Leicht zu finden, einfach die Hauptstraße nehmen, bei der dritten Biegung nach links, dann nach rechts, zwei weitere linke und einmal nach rechts, dann unbedingt geradeaus, dann um 67% Grad im Uhrzeigersinn wenden, dann sind Sie da." "Äh..." "Keine Sorge, die Stadt ist nach einem leicht zu durchschauenden Muster aufgebaut. Sie finden sich schon zurecht." Wenn er das sagte, würde es wohl schon stimmen. Und wenn nicht konnte man unterwegs ja immer noch jemanden fragen.

    Nachdem Noah sich von dem freundlichen Mann verabschiedet hatte schulterte er den Sack mit seinen Sachen - sehr vorsichtig, darin befand sich schließlich neben so manchem Werkzeug eine Axt - ging er über den stählernen Steg... und konnte nicht anders, als sogleich fasziniert sich um zusehen. Sowas hatte er ja noch nie gesehen! Alle Gebäude waren aus Stahl gebaut worden und sahen beinahe exakt gleich aus. Fenster an derselben Stelle, die Türen ebenso und sogar die Abstände zwischen den Häusern gleichten sich auf den Zentimeter. Die Gleichmäßigkeit war schon fast gruselig. Und alles auf Metall, glatt und kalt. Der handwerkliche Aufwand, der hier drin steckte musste immens gewesen sein...

    Der hilfsbereite junge Mann hatte tatsächlich recht gehabt: das Muster der Stadt, deren Namen Noah immer noch nicht in Erfahrung gebracht hatte, war recht einfach zu durchschauen. Leider aber war es verdammt schwer den Überblick zu behalten, wenn jedes Gebäude genau so wie sein Nachbar aussah! Es gab nichts, aber auch gar nichts, woran Noah sich orientieren konnte, kein Detail in den Häuserwänden, keine Unreinheit oder auch nur Unebenheit, die ihm verriet, ob er hier schon vorbeigekommen war oder nicht. Schließlich hatte er eine Frau in einem Laborkittel nach dem Weg fragen müssen; interessanterweise war auch sie sehr freundlich zu ihm und nahm sich sogar die Zeit um ihn zum Gasthaus "Zum Induktiven" hinzuführen! Anscheinend hatte der junge Mann am Steg die Wahrheit gesagt, als er meinte, dass Noah in dieser Stadt herzlich willkommen war.

    Das erste was Noah am Gasthaus "Zum Induktiven" auffiel war, dass es sich unerheblich von den Häusern, die er als Wohnhäuser eingestuft hatte unterschied; es war ein wenig größer und hatte ein Schild über dem Eingang. Damit sah es, mit Ausnahme der Buchstaben auf jenem Schild allerdings genauso aus wie alle anderen Gasthäuser, die Noah in der näheren Umgebung sah. Inzwischen war er nicht mehr ganz so beeindruckt von der Bauweise dieser Stadt. Viel mehr erschien ihm dies langsam wie kreativer Tod; eine Stadt, die man ausgestanzt hatte, wie andere Kekse aus dem Teig stanzten. Außerdem hatte er nirgendwo Holz entdecken können, seitdem er den Hafen verlassen hatte. Überall war alles aus Stahl gebaut worden. Außer die Fenster und seltsamerweise die Türen; die waren aus Glas. Dasselbe galt natürlich auch für das Gasthaus "Zum Induktiven" und als Noah sich näherte viel ihm auch noch auf, dass er keine Scharniere an der Tür finden konnte! Und auch keinen Türgriff! Wie sollte man diese Tür den öffn
    ... Mit einem leisen Zischen schob die Tür sich zur Seite in die stählerne Wand hinein, kaum das Noah auf Armlänge herangetreten war. Der Fischmensch glotzte verblüfft. Wie zur Hölle...?
    "Kommen Sie schon herein! Es ist unhöflich einfach in der Tür stehen zu bleiben!" rief ihm jemand von innen heraus zu. Noah blinzelte und ging langsam und auch vorsichtig durch den Türrahmen. Kaum dass er ein paar Schritte in den Raum gemacht zischte es erneut und als er sich umdrehte war da wieder die gläserne Tür. Hinter der Bar fing der Gastwirt an zu lachen. "Neu hier, was? Das ist eine automatische Tür, eine der großen Erfindungen dieser Stadt!" Noah wandte sich zu dem Mann. "Wie funktioniert das?" "Mit Magneten natürlich, wie fast alles hier in Magna!" Ah, so hieß die Stadt also. Magna auf Magnes Katar. Einfach zu merken. "Mehr weiß ich allerdings auch nich', bin keiner von den Wissenschaftlern." Er grinste Noah an. "Nach dem wir nun das Wunder der Technologie bestaunt haben, wie kann ich Ihnen denn helfen?" Noah lächelte zurück und ging hinüber zur Bar, welche auch aus Stahl bestand, wie alles in diesem Raum, was nicht entweder menschlich oder zum Verzehr gedacht war. "Eine warme Mahlzeit und ein Zimmer für..." Noah stellte seinen Sack auf den Boden und fing an darin zu wühlen - vorsichtig wegen der bereits erwähnten Werkzeuge und der Axt natürlich - bis er schließlich einen kleinen, klimpernden Beutel hervor zog. Als er jedoch in diesen hineinblickte verdüsterte sich seine Miene. "Im besten Fall eine Nacht. Wenn überhaupt." Er gab dem Gastwirt den Beutel. "Natürlich biete ich auch gerne als Bezahlung meine Dienste als Zimmermann an, wenn nötig." Der Wirt warf einen Blick in den Geldbeutel, hob erstaunt beide Augenbrauen und sagte: "Naja, für was zu Essen und die Nacht hier soll es mir genug sein. Bin keiner, der einfach Leute von der Tür abweist. Wenn Sie länger bleiben müssen, dann lassen wir uns eben was einfallen." Noah atmete erleichtert auf. "Vielen, vielen Dank!" "Nich' der Rede wert. Kommen Sie, ich zeig Ihnen ihr Zimmer."

    Noah hätte eigentlich damit rechnen sollen, aber er war dennoch erstaunt, als er sah, dass auch in seinem Zimmer alles aus Stahl bestand. Sogar das Bett! Noah war noch nie so erfreut gewesen eine Matratze vorzufinden, wie in dem Moment, als er das Bettlaken anhob um zu sehen, ob er wirklich auf einer glatten Stahlplatte liegen würden musste. Aber egal; hier war zwar alles aus Metall, aber es war ein Zimmer und definitiv kein schlechtes. Noah legte seinen Sack neben dem Bett ab und ging ins Bad; das Zimmer hatte ein eigenes Bad!
    Noah brauchte eine ganze Weile, bis er den Kasten mit dem stählernen Boden und den matten Glaswänden, den er als Dusche identifizierte, durchschaut hatte, aber schließlich gelang es ihm doch, dass warmes Wasser aus der Brause kam. Eine Dusche hatte er wirklich gebraucht, nachdem er durchs Hafenbecken geschwommen war. Hafenbecken waren ekelhaft.
    Nach einer ausgiebigen und erholsamen Dusche freute Noah sich bereits auf seine warme Mahlzeit; was für ein netter Mensch! Er band sich noch rasch sein schwarzes Kopftuch um und machte sich auf den Weg hinunter in die Gaststube. Den Sack mit seinen Habseligkeiten ließ er natürlich in seinem Zimmer zurück.

    In der Gaststube bot sich Noah ein seltsamer Anblick. Mehrere Leute, die sich Tücher vors Gesicht gebunden hatten, standen ihm Raum; einer von ihnen - sein Mundschutz war geblümt - der sich soeben noch mit dem missmutig drein sehenden Wirt unterhalten hatte erblickte Noah und klatschte freudig in die Hände. "Ah, da ist er ja! Danke, meine fleißige, kleine Drohne." Er ging zu Noah und, davon ging Noah zumindest wegen der kleinen Falten neben seinen Augen aus, lächelte den Fischmensch an. "Tut mir ja schrecklich Leid, aber Sie müssen leider mit uns kommen." Noahs Alarmglocken schrillten sofort. "Und warum sollte ich dies tun?" Der Geblümte seufzte. "Natürlich, Sie sind ja neu hier. Sehen Sie, ich und meine Blattläuse hier," er deutete mit einer ausladenden Geste auf die anderen Betuchten, "sind die örtliche Sittenpolizei. Und leider sind Sie ein winziges bisschen zu weit von der Ameisenspur abgekommen, Sie verstehen?" Noah verstand ehrlich gesagt nichts von alle dem; an einem Ort wie Magna hätte er nie mit einer Sittenpolizei gerechnet. Es passte nicht ins Bild, zumindest nicht für ihn. "Und was wird mir vorgeworfen?" fragte er misstrauisch. "Das können wir dann ja im Wespennest klären." "Das denke ich nicht." Noah wollte noch mehr sagen, aber hielt inne wegen des drohenden Zeigefingers unter seiner Nase. "Jetzt hör mir mal zu! Ich bin die Bienenkönigin hier, was ich sage wird gemacht! Also sei eine brave Ameise und lauf mir nach!" Auf gar keinen Fall. Noahs Instinkte schrien ihm förmlich ins Ohr: "Gefahr, Gefahr!" und wie üblich hörte er auf sie. Er stieß den Geblümten zur Seite und sprintete zur Tür. Die Tuchträger versuchten ihn zu packen, aber es gelang dem Fischmensch, sich unter ihren Armen durchzuducken und ins Freie zu gelangen. Ohne zu zögern rannte er die Straße hinab in die Richtung, in die er glaubte, dass der Hafen sein müsste. Im Wasser würde er sich verstecken können.
     
  3. Enrico

    Enrico Kopfgeldjäger

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    „Hm, nein, in C-Dur funktioniert die Melodie einfach nicht… Vielleicht sollte ich es in A-Moll versuchen?“ Genervt ließ Enrico seine Hände auf die Tasten des Klaviers fallen und zündete sich eine Zigarette an. Momentan wollte seine kreative Ader einfach nicht. Haydees Abschied hatte den Mojo Bunch schwerer erwischt als es sich manche anmerken lassen wollte. Der Musiker hatte versucht die Stimmung etwas aufzuheitern und den Abschied zu erleichtern, indem er viel Zeit damit verbrachte, sein gesamtes Musikrepertoire zu spielen, von Kneipenliedern, zu Seemannsgesang und dem ein oder anderen klassischen Stück, dass ihm aus seiner Kindheit noch in Erinnerung geblieben war. Und nachdem er mit allen durch war, versuchte er nun neue Lieder zu schreiben. Normal recht einfach für ihn, wenn man entspannt und mit genug Zeit an die Sache herangehen konnte. Hier aber wollte es einfach mehr schlecht als recht. Enrico seufzte und stand von seinem Hocker auf. Was solls, er würde es später noch einmal versuchen. Vermutlich war der Rest des Bunches seinen Gesang ohnehin schon leid, ein paar Stunden Pause würde ihnen allen vielleicht guttun.

    „Enrico, die Hühner sind ein wenig nervös, sieh' mal nach, was sie wollen.“ Enrico nahm noch einen letzten Zug von seiner Zigarette, bevor er sie über Bord warf. „Wird gemacht, aber wenn sie noch mehr Käse verlangen, darfst du ihnen sagen, dass wir kaum noch welchen an Bord haben. Das letzte Mal hat es Stunden gedauert bis ich alle Federn aus meinem Bart hatte…“ Es kam ihm nur kalt über den Rücken, wenn er nur daran zurückdachte. Das Federvieh konnte echt wild werden, wenn es seinen Willen nicht bekam. Naja, sollte hoffentlich diesmal nicht so schlimm sein. Hoffentlich.

    Es brauchte nicht lange, bis Enrico den Grund für die Aufregung der Hühner fand. Kaum vor ihrem Stall angekommen sah er, dass eine einzelne Möwe auf dem Dach des Stalls saß, und die Hühner sich darum versammelten hatten und mit gemeinsamen Gackern versuchten, die Fremde zu verscheuchen. „Lasst es gut sein, sie verschwindet schon, wenn sie merkt, dass es kein Futter hier für sie gibt. Zudem, eine Möwe hier heißt, dass wir nicht mehr weit von Land entfernt sein können. Heißt ihr habt bald wieder Landgang und frische Futtervorräte.“ Ein fragendes Gackern folgte. „Ja…und mehr Gauda…“ seufzte der Musiker. „Gauda? Gauda ist auf Magnes Katar verboten, Käse so gar generell. Sagen hat damit zu tun, dass all das Metall sich zu sehr aufwärmt und zu schnell schlecht wird, aber so ganz unter uns Möwen, wir sind uns sicher, dass die Menschen dort einfach nur gegen Käse allergisch sind, krahahaha.“ Verwirrt schaute Enrico zu der Möwe, die bis dahin noch recht still gewesen war. „Magnes Katar? Ist dies der Name der nächsten Insel?“ „Ja, ist zumindest was ihr Menschen sie nennt. Oder war es Magnets Katra? Wer weiß, ich jedenfalls nicht, krahahaha!“ Großartig, dachte sich der Musiker, konnte nicht einmal klare Antworten geben… „Und kannst du mir sonst noch ein paar Dinge über Magnes Katar erzählen?“ „Natürlich! Wir Möwen, wir wissen alles über Magnus Tatar! Zum Beispiel, die gesamte Stadt ist aus Metall gebaut worden, weil der Erdboden von der großen Möwe vor unserer Zeit verflucht worden ist. Alles Holz oder Stein versinkt im Boden und wird zu Fisch! Nur Metall nicht, dass schwimmt auf dem verfluchten Boden, da Metallfische zu schwer verdaulich sind. Und nicht nur das! Die Bewohner von Magus Tantra, sie schreiben viel etwas namens Magnetismus Dinge zu, wie dass Türen automatisch aufgehen. Aber in Wirklichkeit werden die Dinge nur von Flügelschlägen von kleinsten Insekten bewegt, die den Menschen dienen und sich an ihrem Schweiß und Dreck laben denn sie zurücklassen. Habe selber noch keinen davon gesehen oder gegessen, aber angeblich sollen sie köstlich schmecken!“

    So ging es für die nächsten zwanzig Minuten weiter, und Enrico kickte sich selbst innerlich in den Arsch, dass er überhaupt gefragt hatte. Weitere Taten der großen Möwe vor unserer Zeit, Regen, der eigentlich nur Tränen eines riesigen fliegenden Fisches sein soll, bis hin zu einer Gestalt namens Papiertütenmann, die man angeblich auf Nacht sehen und hören können soll. Was für ein Schwachsinn. Zumindest die Hühner schienen aber von den Erzählungen der Möwe glauben zu schenken, so still und gespannt wie sie ihr zuhörten. Endlich schien sie aber fertig mit ihren Erzählungen zu sein, und der Musiker räusperte sich. „Danke, das war… interessant zum Zuhören. Ich denke ich sollte mich dann aber auf einen baldigen Landgang bereitma-“ „Oh, eine Sache habe ich noch vergessen! Da hat vor kurzem, einen Tag oder so, ein Schiff im Hafen angelegt, aber nicht irgendein Schiff. Der Chef von dem Schiff hatte dieses schwarz-weiße Gefieder, ich dachte zuerst das war ein Verwandter von mir, krahaha! Und der hatte so stark nach Feuer gerochen, als ich näher herangeflogen bin. Mir wäre schon fast übel geworden. Kann aber nicht so schlecht sein der Mensch, er hat mir immerhin etwas Fisch zugeworfen. Leute die mir Fisch geben sind immer nett, und wer Möwen füttert wird von der großen Möwe vor unserer Zeit gesegnet!“ Enrico nickte einfach nur und verdrehte die Augen. „Natürlich, leider habe ich gerade keinen Fisch zur Hand, ansonst-“ „LAAAAAND IN SICHT!“, brüllte Momo und unterbrach den Musiker erneut, der es jetzt schon gewohnt war. „Ah, sieht so aus als wären wir Nagmus Takar nahe. War nett mit dir zu plaudern, aber ich muss weiter, du weißt schon. Möwengeschäfte. Futter suchen, jemanden auf den Kopf scheißen, Weltherrschaft Pläne schmieden, das übliche halt.“ Und damit war die Möwe auch schon vom Dach gesprungen und begab sich in die Lüfte. Langsam musste sich Enrico fragen ob alle Vögel so durchgeknallt waren, oder ob es nur diese eine Möwe und die Hühner waren…

    Genervt so viel Zeit an diese Möwe verloren zu haben zündete sich Enrico eine weitere Zigarette an und begab sich zum Rest der Crew zurück neben Agwe an die Reling. „Ich werde diese Insel hassen, man. Can see it already.“ Der Musiker lächelte nur leicht. „Wenn nur halb von dem Zeug, was mir diese Möwe erzählt hat war ist, dann kannst du mit der Insel vielleicht was anfangen.“ Der Priester hob eine fragende Augenbraue, und war sich nicht sicher was Enrico damit meinte. „Ach, das erzähle ich dir ein anderes Mal genauer. So ne Möwe hat mir von Dingen wie ner großen Möwe, und fliegenden Fischen, und nem Kerl mit schwarz-weißem Gefieder erzählt. Vermutlich alles Schwachsinn.“
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2018
  4. Edward Buraddo

    Edward Buraddo Kopfgeldjäger

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    Seit sie wieder auf dem Wasser der Grand Line segelten, kam Edward die Zeit merkwürdig verwaschen vor. Die Abwesenheit der jungen Köchin, welche noch bis vor kurzem ein großer Teil seines Alltags war, ein Crewmitglied, das er fast als kleine Schwester sah, hatte doch ein tiefes Loch hinterlassen. Nicht nur bei ihm, er merkte das auch bei allen anderen. Die ersten Tage schienen alle nur auf Autopilot zu laufen. Jeder ging seinem Tagwerk nach, es wurde wenig gesprochen. In der Küche wechselte man sich ab, aber man merkte doch jedes Mal, dass im Grunde keiner so wirklich eine Ahnung davon hatte, was er oder sie machte. Entweder es waren schlichte Speisen, die man kaum falsch anrichten konnte, oder es wurde ein mittleres Desaster.

    Nach einigen Tagen auf See schien jedoch wieder Leben in die Crew zu kommen. Nicht dass sie Haydee vergessen würden, aber jeder konnte sich bald auf seine Art an einen Schiffsalltag ohne sie gewöhnen. Für Edward hieß das erst einmal, sein Labor wieder herzurichten. Sein kleiner… Aussetzer… auf Sandheap Island hatte doch eine ganze Menge Schaden angerichtet. Einiges war unwiederbringlich verloren, anderes konnte er flicken, aber er hatte in jedem Fall die Lebenserwartung seiner Laborausrüstung erheblich reduziert. Er ärgerte sich darüber, während er mit dem Besen Scherben aufkehrte und über Bord warf. Er würde so schnell wie möglich neues Equipment zusammentreiben müssen, oder er würde nicht mehr in der Lage sein, seine Crew mit Ausrüstung zu versorgen. Und das konnte er auf gar keinen Fall zulassen.

    Schließlich war es endlich so weit. Land in Sicht. Die schönsten Worte für die, die lange auf See waren und sich nach dem festen Boden unter den Füßen sehnten. Plus es war eine Chance von den Hühnern wegzukommen. Obwohl… seit Enrico in der Crew war, schienen die Viecher ruhiger geworden zu sein. Der Musiker hatte irgendwie einen Weg mit den Höllentieren. Und solange er dafür sorgen konnte, dass Edward nicht mit lautem Gegacker übers Deck gejagt wurde war Edward glücklich.

    Agwe schien sich die Insel schon anzusehen, also begab sich Edward zu ihm, grade noch rechtzeitig um ihn sagen zu hören “Ich werde diese Insel hassen, man. Can see it already.“ Edward stutzte. „Warum, was ist denn mit der…“ weiter kam er nicht. Als seine Augen erblickten, was sich da vor ihnen am Horizont zeigte fiel ihm fast die Brille ins Wasser. „der… der… Insel…“ stotterte er. Noch nie hatte er so etwas gesehen. Diese Stadt war eindeutig das Fortschrittlichste, was er in seinem Leben erblickt hatte. DAS! Das war, was er erhofft hatte, als er auf die Grand Line kam. Mit einem Mal war er Hellwach und Hektisch. „Ich muss… ich brauche… Notizblock… ich muss eine Inventarliste machen…“ sagte er und lief zur Tür, welche vom Deck unter Deck führte. Er riss die Türe auf, nur ein Gedanke trieb ihn: Ab in sein Labor, und alles aufschreiben was er brauchen konnte. Dann jeden Berry den er hatte zusammenkratzen. Er erreichte die Tür nach unter Deck, stieß sie auf und sprang mit einem Satz in sein Labor.

    Ein Block war schnell gefunden, und hektisch, aber nicht ohne Ordnung uns System begann Edward alles aufzuschreiben, was er zerstört oder beschädigt hatte, alles was er verbessern konnte und sogar eine kleine Wunschliste.

    Doch mitten im schreiben stutzte er plötzlich. „Moment mal…“ er drehte sich um und starrte die Tür zu seinem Büro an. War er grade… direkt vom Deck? Er ging auf die Tür zu und machte sie auf. Er blickte in den gewohnten düsteren Flur. Von hier zum Deck war es eine kurze Strecke, um drei Ecken.. Aber er konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass er durch den Flur gelaufen war. Nein er war… direkt vom Deck… in sein Labor… Edwards Augen wurden wieder groß und er starrte seine Hand an. Er hatte… eine Tür geöffnet… vom Deck… in sein Labor… Zwei Orte, die nicht miteinander verbunden waren, außer durch den Flur… er hatte… den Raum verändert… „HEILIGE SCHEISSE!“ entfuhr es ihm. Er ließ den Notizblock liegen und hechtete an Deck. Er musste diese neue Fähigkeit seiner Crew zeigen…

    Momo war die erste, der er in die Arme lief, und sofort war er Feuer und Flamme , ihr die Neuigkeit zu erzählen. „MOMO! Momo warte… ich muss dir was zeigen… Ich… nein, das musst du sehen, sonst glaubst du es mir nie im Leben…“ Momo drehte den Kopf und zog eine Augenbraue hoch. „Ed… ich spiel nicht schon wieder dein Versuchskaninchen!“ sie zeigte auf die Hochgezogenen Augenbraue. „Die ist grade erst fertig nachgewachsen…“ Kurz wurde Edward etwas kleinlauter. „Ich hatte dir gesagt, beug dich nicht so weit drüber…“ doch dann kam er wieder zurück zu seinem ursprünglichen Punkt. „Nein, nein! Das ist es nicht.“ Er zog sie Richtung Türe. „Hier warte… guck dir das an!“ mit einem Ruck riss er die Türe auf… und sie führte unter Deck. So wie sie gebaut war. Edward fiel das Kinn herab. „Wow… ich bin begeistert…“ ertönte es in einem Teils sarkastischen, Teils verwundertem Ton von Momo, welche erst durch die Türe und dann zu ihm sah. „Was… ich… nein… warte, ich habs wohl falsch gemacht.“ Er schmiss die Tür wieder zu und starrte sie an, als wollte er das Stück Holz hypnotisieren. Dann öffnete er sie noch einmal… nur um wieder die Treppe in den Flur zu zeigen. „Weißt du, ich weiß wie Türen funktionieren… Soll ich es dir erklären?“

    Edward kam sich allmählich recht dumm vor. Es konnte doch nicht sein, dass es jetzt, wo er es Momo zeigen wollte, nicht noch einmal funktionierte. Hatte er sich getäuscht? War er ganz normal durch den Flur gegangen und hatte es nur vergessen? „Nein.. das wollte ich dir nicht… warte… ich muss mich wohl einfach… konzentrieren…“ Zwar sagte er das, aber wirklich wissen tat er nicht, was er nun tun sollte. Zumindest bis Momos Stimme noch einmal erklang. „Hör auf etwas erzwingen zu wollen Eddi.“ Drang es an sein Ohr. „Glaub daran, dass es das natürlichste der Welt ist. Und dann… tu es.“ Er blickte auf. Sie hatte recht. Obwohl er sich schon zwei Mal zum Idioten gemacht hatte, dachte Momo immer noch, dass er nicht Verrückt war. Zurecht. Und nicht nur das, sie hatte ihm auch noch genau das Gesagt, was er hören wollte. Er lächelte. Dann sah er die Türe noch mal an. Vor seinem inneren Auge lag sein Labor, direkt hinter der Türe. Hinter diesem dünnen Holz… Er öffnete sie erneut.

    Und da war es. Sein Labor lag direkt hinter der Türe. Ein Ding der Unmöglichkeit, aber da war es. Es war sogar so ausgerichtet, dass sie durch seine Türe herein kamen, obwohl es von hier aus eigentlich um 90° gedreht sein müsste. Er starrte dieses Unmögliche an, dass er möglich gemacht hatte, und drehte sich dann zu Momo um. „Ehm…. Tada?“ sagte er, immer noch erstaunt von seiner neuen Fähigkeit. Auch Momo schien beeindruckt. „Geiler Scheiß…“ murmelte sie, und schritt durch die Tür hindurch. Edward beobachtete ihre Schritte genau. Es war ein ganz normales durchqueren einer Türe. Obwohl sie mit einem Schritt auf einmal etliche Meter zurücklegte. Nachdem sie drinnen war, ging auch Edward hindurch und schloss die Türe. Schnell öffnete er sie wieder… es war der Flur.

    „Kannst du das Überall?“ Momo hatte sich umgedreht und sah ihn jetzt an. „Ich meine… musst du wissen, wie der Raum dahinter aussieht, um eine Türe zu erschaffen?“ Augenblicklich war Edward im Grübelmodus. „Hmmm… ehrlich gesagt weiß ich das selber nicht… bei normalen Türen geht es überall, aber diese Fähigkeit habe ich selber grade erst entdeckt…“ Er sah auf seine Hände. „Ich kann den Raum manipulieren… das… ist… unglaublich…“ Ein Nicken der Amazone war die Antwort. „Das Stimmt. Ich bin beeindruckt.“ Momo grinste ihn an. „Und jetzt übst du das so lange, bis du das im Schlaf kannst!“. Das war ein guter Plan, das musste der Tüftler zugeben. „Das mache ich! Und so lange…“ Er machte die Türe wieder auf. Doch es war nur der Flur. „Verdammt… Ehm… willst du warten, oder nimmst du den langen weg?“ „Ich bleib gerne noch hier… bei dir.“ Brummte Momo, während sie sich eine Zigarette drehte „Also wenn… Naja, wenn es dir nichts ausmacht.“ Sofort schüttelte Edward den Kopf. „Natürlich nicht. Er schloss die Türe wieder und hob seinen Notizblock auf. Dann kam ihm ein Gedanke. „Sag mal, hast du eigentlich schon etwas neues über deine Teufelsfrucht herausgefunden? Also neue Fähigkeiten?“ Momo setzte sich auf den Boden und entzündete die Zigarette mit einem Streichholz. Edward wollte grade gegen das rauchen in seinem Labor protestieren, als Momo das noch brennende Streichholz runterschluckte. Es dauerte ein paar Sekunden und es erschien wieder in ihrer Hand, durch ihre Haut hindurch. „Ich kann Teile, solange sie klein sind, schneller an der Haut platzieren. Und auch noch mehr als ich dachte. Außerdem verrutschen sie nicht mehr so leicht…. Es ist kompliziert, aber ich mache Fortschritte.“

    Edward nickte beeindruckt. „Wow… das hat auch Potential… und es verbrennt dich nicht mal…“ Dann fiel ihm auf, dass das Streichholz in einwandfreien Zustand war. „Erstaunlich, dass du es so am Stück schlucken konntest… oder hast du…“ Er rieb sich das Kinn. „Hast du es zusammengesetzt, während es in deinem Körper war? Kannst du Dinge zusammenfügen, nachdem du sie gegessen hast?“ Momo zuckte mit den Schultern. „Ich hab einmal Glassplitter geschluckt und… nach viel Training kann ich die Splitter wieder zusammensetzen. Es dauert aber lange.“ In Edwards Kopf rauchte es. „Da steckt so viel Potential hinter… vielleicht kannst du ja… beschädigte Gegenstände essen und… reparieren? Verschiedenen Sachen verbinden?“ Er war drauf und dran Eine Thesis aus Momos Frucht zu machen, als sie aufstand und ihn leicht boxte. „Du solltest nicht zu viel denken, Edward. Einfach mal machen!“ grinste sie. Edward musste nicken. „Wahrscheinlich hast du recht…“ Mit diesen Worten öffnete er eine Türe an Deck. „Hey, es hat geklappt!“ grinste er, während Momo mit einem Lächeln hindurch ging.

    Edward folgte ihr, und noch bevor er dir Tür schließen konnte, stand Agwe neben ihm. Er hatte grade einen wunderbaren Blick in sein Labor. „Hey Agwe…“ sagte er und lächelte. „Ich scheine eine neue Fähigkeit entwickelt zu haben!“ sagte er stolz und zeigte in sein Labor.
     
  5. Momo

    Momo Kopfgeldjäger

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    Sie schlief nie wirklich viel. Auch nicht tief. Oder traumlos.
    Doch seit Haydees Abwesenheit mied die Teufelsdame den Schlafraum. Früher hatte sie sich immer zu der Traumtänzerin in die Koje gelegt, wenn sie mal nicht schlafen konnte. Einfach nur um dazuliegen und dem Atem Haydees zu lauschen. Nun war Momo immer auf Achse, sogar nachts. Sie trainierte, legte Tarotkarten, sprach mit ihrem inneren Agwe, brachte TickTack neue Tricks bei und irgendwann nickte sie dann für einige Stunden ein. Ihr Körper schien sich drauf eingestellt zu haben, mit wenig Schlaf auszukommen. Nach drei Stunden war sie fit, checkte den Seegang oder die Himmelsrichtung.

    "Hör auf die ganze Zeit an dem Ruder herumzufummeln. Das Schiff sucht sich seinen Weg", summte Agwe protestierend und Momo legte den Kopf in den Nacken. "Spürst du das denn nicht? Die Wellen, der Sog..." Sie atmete tief ein und aus, bevor ihre Hände von dem Ruder abließen. "Ich möchte ja nicht kleinlich sein, aber zuvor sagtest du noch "Verlier nicht die Kontrolle über dein Schiff. Führe es mit eiserner Hand." Die Glatzköpfige rieb sich die Schläfen. "Kannst du dich mal entscheiden?"
    Sie spürte ein Ziehen in ihrer Stirn. Eine Warnung. "Sei nicht unhöflich", wisperte Goody Momo und die Teufelsdame schnaubte.
    "Du sollst es führen und nicht festhalten. Ein Vogel in der Luft ändert auch nicht nach Lust und Laune seine Richtung. Er fliegt mit den Lüften, den Strömen und dem Wind. Er gleitet dahin. Betrachte das Wasser als festere Form. Das Schiff gleitet und du musst nur die Richtung korrigieren."

    Sie war es oft Leid, so vielen Stimmen zuhören zu müssen. Dann bat sie ihren Kapitän um etwas von dem wertvollen Schlangenschnapps und die Stimmen verringerten sich zu einem Flüstern. Obwohl der Loa Agwe noch der Stärkste von ihnen war. Er war immer da, als ein Summen. Eine Art Antrieb oder Erinnerung, das sie sich stets den Loa verpflichtet hatte. Es war lästig, aber andererseits beruhigend von einer höheren Macht geführt zu werden.

    Tagsüber suchte sie die Gesellschaft von Edward auf. Seine ruhige Art und das ständige Gebrabbel, welches er, während er tüftelte, von sich gab, beruhigte die angehende Navigatorin. Sie wurde allgemein ruhiger an Deck. Sprach nicht viel. Ärgerte nichteinmal die Hühner.
    Manchmal sprach sie auch mit ihrem Kapitän. Über die Loa, deren Beweggründe und lernte von seinen Worten. Sie sprachen über seinen Großvater, Michelle, dort wo Haydee nun verweilte. Das sie in einem ungefragten Ritual einen mächtigen Loa beschworen hatte - und das sogar noch erfolgreich - blieb hinter verschlossenen Lippen. Momo hatte Angst davor, was ihr Kapitän darüber sagen würde. Bisher gab es ja auch noch keinen Grund, sich sorgen zu machen.

    Und wenn der Tag zu Ende ging, lauschte sie auch ab und zu Enricos Klängen, welcher fast täglich auf dem alten Klavier klimperte.
    Es ging alles seinen gewohnten Gang und Momo fühlte sich zu Hause.

    "Sag mir, was du spürst."
    "Der Sog wird stärker. Die Wellen verändern sich. Land."
    "Gutes Mädchen."
    Kapitän Agwes Befehl, die Insel in der Ferne anzusteuern, kam erst einige Stunden später. Und Momo ließ das Schiff gleiten, bis sie glaubte, es stark genug führen zu müssen, damit es in einen sicheren Hafen einlaufen konnte.
    Endlich. Eine neue Insel. Neues Leben. Neue Kämpfe. Endlich... Ablenkung!
     
  6. Samantha

    Samantha Kopfgeldjäger

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    Die Anzahl der Tage und Nächte, die sie bereits auf See verbracht hatte, kannte Samantha nicht. Diese zu zählen würde sie nur an ihre Familie erinnern, die sie so schmerzlich vermisste oder an ihre schwindenden Vorräte. Es war nur noch ein kleiner Rest Zwieback übrig geblieben und den letzten Schluck des schal gewordenen Wassers hatte sie bereits zwei Tage zuvor getrunken. Den Alkohol rührte sie schon lange nicht mehr an, denn er dehydrierte sie zusätzlich. Ihre Zunge klebte an ihrem Gaumen und wenn sie blinzelte, fühlten sich ihre Augenlider wie Reibeisen an. Die schwarzen, unheilverkündenden Wolkenberge bemerkt sie deshalb erst, als es dunkel wurde. Es grenzte nahezu an ein Wunder, dass sie auf ihrer Überfahrt bisher von Unwettern verschont geblieben war. Samantha vertäute sich mit einem Seil am Boot und während der Sturm ihr Segel zerriss und die meterhohen Wellen das kleine Boot durch die Gegend warfen, betete sie zu den Loa.

    Die junge Köchin vermochte nicht zu sagen, wie lange sie ohnmächtig gewesen war. Offenbar war sie an einen Strand gespült worden und sie traute ihren Augen nicht, als sie bemerkte, dass der warme Sand schwarz war. Sand ist doch gelb oder weiß. Wo in aller Welt gibt es denn schwarzen Sand? Eine Erinnerung an eine Aussage eines Jeven kam ihr in den Sinn. Er hatte über einen Ort namens "Hölle" geredet, an den Samantha und alle anderen Voodoogläubigen kommen würden. Die Ogounìsta schnaubte laut. Was für ein Schwachsinn. Wenn ich den Löffel abgegeben hätte, wäre der Baron längst für ein nettes Pläuschchen hier. Mühsam stand sie auf. Ihre Beine zitterten und sie fühlte sich unglaublich schwach. Zuerst brauchte sie frisches Wasser und etwas zu essen. Ihr Boot konnte Samantha nirgendwo entdecken. Ihr Sicherungsseil war durchgerissen und das einzige, das sie noch besaß, war ihr Beutel mit ihren Habseligkeiten. Und natürlich ein paar Flaschen des seltsamerweise allgegenwärtigen Schnapses. Ein Griff an ihre Hüfte ließ sie erleichtert ausatmen. Auch ihre Waffen waren noch an Ort und Stelle. Zum ersten Mal drehte sie sich um und starrte bewundernd auf die Landschaft. Schon ein paar Meter hinter ihr erhob sich ein prächtiger Wald aus dem ungewöhnlichen Boden, der sanft aber stetig anstieg. Im Zentrum der Insel gab es einen Vulkan, in dem ein riesiger Kristall thronte.
    Doch zunächst gab es wichtigeres. Die junge Frau zog ihre Waffen und schritt langsam in den Wald hinein. Ihr geschwächter Körper protestierte gegen diese Beanspruchung ihrer Arme, doch bei der üppigen Vegetation gab es unter Garantie auch Raubtiere, von denen sie nicht wehrlos überrascht werden wollte. Dank ihrer Zeit bei Nahimana schaffte sie es schnell, einen kleinen Bachlauf zu finden. Zu ihrem Glück trank gerade ein Tier, das einem Hund recht ähnlich war, daraus. Inamés scheint mir heute gewogen zu sein. Das Tier bemerkte sie, knurrte kurz und entsprang dann ins Dickicht. Definitiv kein Hund, schloss sie aus dem sehr gegenteiligen Verhalten. Sie trat ans Wasser, tauchte ihr Gesicht hinein und trank in großen Schlucken.
    Sie hätte schwören können, dass Wasser noch nie so gut geschmeckt hatte. Es war auch nicht gerade unangenehm, dass das klare Nass die Salzkrusten aus ihren Augenwinkeln, den Wimpern und den Nasenlöchern löste. Zum ersten Mal sog sie das Aroma des Waldes um sie herum durch ihr Riechorgan. Der Geruch feuchter Erde, blühender Pflanzen und des Baumharzes waren ein zusätzliches Zeichen für das gute Gedeihen des Waldes. Es dauerte nicht lange, bis sie einige Pilze, Beeren und Wurzeln gefunden hatte. Nachdem sie wieder bei Kräften war, wusch sie sich das Salz vom Rest des Körpers und aus ihren langen Haaren, nicht ohne dabei stets wachsam zu bleiben. Später muss ich auch noch meine Kleidung waschen, aber jetzt gibt es wichtigeres. Die Loa haben mich nicht umsonst auf diese Insel gebracht. Agwe Facilier muss in der Nähe sein.
     
  7. Agwe

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    "Dein Wort in Legbas Ohr, man", erwiderte Agwe auf Enricos Beteuerung, dass es ihm hier gefallen würde. Nicht, dass er seiner Crew nicht glaubte, er konnte es sich einfach nur nicht vorstellen, was genau ihm hier so gut gefallen sollte, dass sein erster Eindruck dieser Insel revidiert werden würde. Andererseits... Die Welt war groß. Und das von ihm gelegte Tarot hatte ja durchaus ein großes Abenteuer angekündigt. Was blieb ihm da anderes übrig, als sich überraschen zu lassen? Und war das nicht oft der schönste Teil einer Reise? Eben nicht das, was man vorhergesehen hatte, sondern das, was einen völlig überraschte, ja geradezu aus der Bahn warf? "Egal... Erst mal die lokalen Spezialitäten verkosten, man." Ein guter Plan, fand Agwe. Vor allem, wenn diese viel Alkohol beinhalteten. Er wusste schließlich, was er seinem Körper schuldig war.

    "Hey, Agwe... Ich scheine eine neue Fähigkeit entwickelt zu haben!" Der Stolz in Edwards Stimme war unüberhörbar. Was auch immer es war, es musste etwas ziemlich ordentliches sein. Agwe sah in Richtung seines Waffenmeisters und zog die Augenbraue hoch, als er dessen Labor sah. Was war daran so besonders? Hatte er ein neues Spielzeug fertig gebastelt? Oder irgendetwas darin verändert? Nein, dachte Agwe, dafür war der Ton in seiner Stimme zu stolz und die Wortwahl außerdem falsch. Wenn der Tüftler etwas neues gebastelt hatte, dann war er ekstatisch und erklärte Agwe sämtliche Einzelheiten, auch wenn er dabei immer nur mit einem Ohr zuhörte. Nein, das hier war... War... "Ooooh, I get it, man, gratuliere." Voller Stolz klopfte Agwe seinem Freund auf die Schulter, ein wenig zu kräftig vielleicht. "Papa Legba hat dir die Meisterschaft über die Türen geschenkt und dir jetzt ein weiteres Kunststück gegeben, man. Das muss gefeiert werden! Tell ya what, man, heute Abend bringe ich dir das Gebet zu Ehren von Papa Legba als Herren der Türen bei und wir feiern seine Gnade. Und deinen Erfolg, man, was noch wichtiger ist." Letzteres war zwar, jedenfalls für Agwe, eine komplette Lüge, aber man musste kleine Schritte gehen, um auf Ungläubige zuzukommen. "Ich sehe mich mal ein wenig hier um, man, und wenn ich was leckeres zum Mampfen finde, dann bringe ich's hierher und wir verputzen es gemeinsam und preisen die Loa."

    Agwes Namensvetter, der Loa der See, leitete Momo gut. Sie hatte Talent, das war offensichtlich, und bald schon würde Agwe ihr die nächste Stufe auf dem Weg zur Priesterin weisen können. "Sie macht echt beachtlich schnelle Fortschritte, man." Wenn das so weiterging, dann würde er sie schon binnen weniger Monate weihen können und er war sich sicher, dass dies ein guter Schritt sein würde. Womöglich würde es sogar Edward mehr in Richtung der Loa führen, zugeneigt wie er Momo zu sein schien. Aber auch das hatte, wie so häufig, seine Zeit. Jetzt galt es erst einmal, diese Insel zu erkunden und zu sehen, ob an Enricos Worten etwas dran war - vor allem an diesem ganzen ominösen Gelaber über Kerle mit schwarzweißem Gefieder. Was das nur wieder bedeuten sollte? Agwe blickte nach oben zu den krächzenden Möwen. Versteh' einer diese Biester.

    Das El Pollo Diablo war kein gewöhnliches Schiff, doch im Hafen der Hauptstadt fiel es nicht weiter auf. Das lag nicht zuletzt daran, dass hier einige Schiffe ähnlicher Bauart anlagen. Doch selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, die schiere Vielfalt der hier anliegenden Schiffe, von einfachen Segelbooten bis hin zu elaborierten schwimmenden Palästen, ausgestattet mit modernster Grandline-Technologie, war einfach überwältigend. Mit einem eleganten Salto sprang Agwe von Bord und landete auf dem Kai, zündete sich eine weitere Zigarette an. "Let's see here..." Mit geübtem Blick hielt Agwe Ausschau nach jemandem, der ihm Geld für das Parken seines Schiffes abknöpfen wollte, eine arge Unsitte, doch nichts dergleichen geschah. Während sich der Voodoopriester auf der Stelle drehte, fühlte er mit einem Mal etwas gegen sich knallen. Insinktiv rollte er sich zur Seite und landete somit elegant auf der Schulter, nur um danach mit dem Schritt mit voller Wucht in einen der Pfeiler zu rammen. Die ominöse Gestalt, welche ihn angerempelt hatte, geriet zwar ins Straucheln, es gelang ihr jedoch, weiter zu rennen. Währenddessen glitt Agwe langsam den Pfahl herunter, Tränen standen ihm in den Augen. "...au...man...", brachte er ganz schwach hervor, wobei er jedoch nicht sah, dass der seltsamen Gestalt einige weitere folgten...
     
  8. Noah

    Noah Kopfgeldjäger

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    Hätte Noah nicht darauf achten müssen, sich seinen Atem zu sparen, er hätte vor Frustration laut geschrien, während er nun schon zum x-ten Mal durch ein und dieselbe Gasse rannte. Vermutlich. Jede verfluchte Ecke dieser Stadt sah sich zum verwechseln ähnlich und es war verdammt schwer beim Rennen irgendwelche Details auszumachen, an denen er sich hätte orientieren können. Metall, Metall und noch mehr Metall, soweit das Auge reichte, gelegentlich unterbrochen von Fussgängern, die verwirrt dem Fischmenschen und seiner kleinen Traube Tücher tragender Verfolger hinterherblickten. Das Einzige Mal, wo Noah sich wieder etwas zurechtzufinden vermochte war, als er wieder an dem Gasthaus "Zum Induktiven" vorbeikam; die Zahl seiner Verfolger nahm da leider auch noch zu.
    Es war der Wind schließlich, der Noah aus seiner misslichen Lage befreite. Der Geruch von salzigem Wasser wehte ihm von rechts entgegen; Noah jubilierte innerlich und nahm sofort die nächste Abzweigung in diese Richtung und folgte von da an seiner Nase. Mehrfach musste er sich dabei an Hindernissen - Kisten, Karren, Menschen - irgendwie vorbei winden, während er mit Höchstgeschwindigkeit über das Pflaster der Straßen preschte. Sein "Aus dem Weg!" schien die Leute leider mehr dazu zu motivieren stehen zu bleiben um zu sehen, was da los war, anstatt ihm, nun, aus dem Weg zu gehen, weswegen Noah einige Male beinahe schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Boden oder den stählernen Gebäuden gemacht hätte. Dasselbe Problem hatten seine Verfolger leider nicht; Noahs Flucht wirkte wie eine Keil auf die Menschen auf der Straße und die Tuchträger konnten fast ungehindert rennen. Und langsam holten sie den Fischmenschen ein.
    Mittlerweile ging Noah die Puste aus; er konnte lange arbeiten, lange schwimmen und lange wach bleiben ohne müde zu werden, aber er war nicht zum Rennen gedacht, zumindest nicht auf dem Land. Aber er hatte es geschafft, der Hafen war erreicht! Noah konnte bereits das dunkle Wasser im Hafenbecken erkennen, gleich konnte er vom Rand in Sicherheit -

    KRACH!

    Noah war in jemanden hinein gerannt. Der Fischmensch geriet ins Stolpern, ruderte wild mit den Armen um sein Gleichgewicht zu bewahren, fing sich und rannte weiter. Noah warf einen Blick über die Schulter um zu sehen, gegen wen oder was er da gerannt war und sah einen schwarzen Mann mit einem Zylinder auf dem Kopf, dessen Beine sich um einen Pfeiler geschlungen hatten. Man brauchte kein Genie sein um zu erkennen was passiert war und Noah wäre wirklich gerne stehen geblieben um sich vielmals zu entschuldigen. Kein Mann schadete gerne einem anderen Mann an dieser Stelle. Aber dafür war keine Zeit und das Wasser war bereits so nah...
    Und dann holte einer der Tuchträger aus um nach dem fremden Mann zu schlagen. Noah blieb so abrupt stehen, dass seine Schuhe laut auf dem Boden quietschen. Er wandte sich, fletschte die Zähne und rannte auf die Tuchträger zu. "Lasst ihn in Frieden!" Eigentlich war es dumm. Noah kannte den Fremden nicht, er wusste nicht ob der Mensch vielleicht sogar gefährlich war, oder seine Hilfe überhaupt brauchen würde. Und das Wasser war so nah, Noah müsste nur einen Schritt machen um darin zu landen... Aber er würde nicht mit sich selbst leben können, wenn er jemanden, der nichts damit zu tun hatte, in seine Probleme hinein zog.
    Hoffentlich ließen die Tuchträger sich von einem anstürmenden Haifischmenschen mit gebleckten Zähnen abschrecken. Denn Noah mochte recht kräftig sein, aber das waren ihm doch viel zu viele Gegner.
    Mund auf und durch.
     
  9. Enrico

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    Egal ob es auf der Insel gut oder schlecht ausfallen würde, es war nun mal ihr Ziel, und soweit Enrico die Navigation verstanden hatte, war es eine sehr schlechte Idee auf der Grand Line nicht auf den Lockport zu hören und in irgendeine Richtung zu segeln. Besonders wenn die Vorräte schon langsam knapp wurden. Ein paar Tage würde Agwe es hier schon aushalten können. Und solange sie hier Alkohol in ihren metallenen Kneipen hatten, würde es schon nicht so schlimm werden.

    Aus den Augenwinkel sah der Musiker von seinem gemütlichen Hocker die Tür, die Edward für Agwe aufgemacht hatte und staunte nicht schlecht als er statt das vertrauten Ganges Edwards Labor sah. Kurz zumindest, dann nämlich begann Enrico fröhlich zu lachen. „Nicht schlecht Edward! Nicht nur die Technik ist dir zu Willen, jetzt gehorchen dir auch noch die Türen und der Raum. Dass müssen wir feiern! Wenn wir auf der Insel die erste Kneipe finden, gehen wir rein und stoßen auf dich an. Die Kosten übernehme ich, keine Sorge.“ Er warf seine schon fast zu einem Stummel gewordene Zigarette über Bord und ging zu Edward um ihn noch freudig auf den Rücken zu klopfen.


    Schließlich im Hafen angelegt wartete Enrico an der Reling, bis Agwe die Parkgebühr bezahlt hatte. Besser das war erstmal geregelt bevor man sich in alle sieben Himmelsrichtungen aufteilte. Zudem wurde die Insel Enrico jetzt wirklich suspekt, als er sah, dass selbst der Kai aus Metall gemacht war. Hatten diese Leute hier etwas gegen Holz? Hatte Holz ihnen mal Geld gestohlen? Bei der Fläche, die das gesamte Eisen hier einnahm musste ja jeder Tag, an dem auch nur leicht die Sonne scheint die gesamte Stadt heißer als jede Wüste werden lassen. Zumindest hier auf dem Schiff würden der Bunch es überstehen, sollte es während ihres Aufenthaltes soweit kommen. Bevor er aber diesen Gedanken weiterverfolgen konnte, hörte er den Zusammenstoß, den jemand mit Agwe hatte. Sofort war sein Blick wieder auf den Priester gerichtet, und sah seinen Kapitän langsam gegen einen Pfeiler gerichtet wieder aufstehen, und die Gestalt, die in ihn hineingelaufen war. War das ein Fischmensch? Enrico hatte während seiner Zeit als Türsteher schon den ein oder anderen Fischmenschen getroffen, als Teil von Crews die auf Black Lung anlegten und sich für die nächste Fahrt die Kehle benetzen wollten, aber es war immer wieder ein interessanter Anblick, wie sehr sich der eine vom anderen unterschied.

    Bevor er diesem Fischmenschen aber zurufen konnte, dass er gefälligst aufpassen sollte, kamen plötzlich mehrere, den Kopf verhüllte Gestalten auf Agwe zu…und begannen auf ihn einzuschlagen! So aber nun wirklich nicht, dachte sich der Musiker, und wand sich mit Schwung über die Reling.

    Ein lauter Knall war im ganzen Hafen zu hören, als Enricos schwere Form auf dem Kai landete. Erstaunt blickten die Tuchträger auf die Gestalt, die sich zwischen ihnen und den Fischmenschen, welchen sie verfolgten aufrichtete. Und sie sah nicht amüsiert aus. Bevor sie noch etwas machen konnten, hatte der Musiker den Verhüllten, der nach Agwe geschlagen hatte bei den Schultern gepackt, und warf ihn mit Schwung über den Kai ins Wasser. „Ich weiß ja nicht ob das eure Art ist Gastfreundschaft zu zeigen, aber für den Großteil der Welt ist es mehr als unhöflich nach fremden Menschen zu schlagen, die einem nichts getan haben“, meinte Enrico während er eine Hand langsam zu einer Faust ballte, „und als Dank werde ich jetzt auch zeigen wie man auf Black Lung mit Typen wie euch umgeht. Ihr habt die Wahl, ihr könnt gleich ins Wasser springen, oder ich trete euch zuerst in den Arsch und dann landet ihr im Wasser. Und du“, er blickte kurz zurück zu dem Fischmenschen hinter ihm, „denk gar nicht daran abzuhauen, du schuldest Agwe hier noch eine Entschuldigung.“
     
  10. Edward Buraddo

    Edward Buraddo Kopfgeldjäger

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    Edward war, zugegebenermaßen, sehr stolz auf sich. Man entdeckte schließlich nicht jeden Tag eine neue Teufelskraft, nicht zuletzt eine mit solchen Ausmaßen. Wenn er diese Kraft weiter ausbauen konnte… nichts würde ihn mehr beschränken können. Die ganze Welt könnte direkt hinter seiner Tür liegen… Die Möglichkeiten…

    Jetzt fiel ihm aber erst einmal ein, warum er überhaupt in sein Labor gegangen war. Er wollte eine Liste machen. Genau! Eine Liste mit Dingen, die er auf dieser Insel besorgen wollte. Ausrüstung für seine Werkstatt! Sofort ging er durch die Türe zurück in seine Werkstatt und fing damit an, eine Inventarliste zu erstellen. Alles was er zur Verfügung hatte wurde aufs kleinlichste notiert und alles was kaputt oder beschädigt war landete auf der Einkaufsliste.

    Obwohl die Werkstatt nicht so groß war, war es doch keine kleine Aufgabe. Alle Schränke wurden geöffnet, alles wurde sortiert. Dabei fiel ihm auch der letzte Prototyp seines Revolvers in die Hand. Im Grunde war er fertig, aber an der Munition hakte es noch. Druckluftpatronen waren doch schwerer zu lagern als Edward gedacht hatte. Pulvermunition machte keine Probleme, solange sie trocken bleiben. Bei Druckluft jedoch reichte der kleinste Riss, die kleinste Delle im Metall, und die Patrone war unbrauchbar. Von über 100 Versuchen die er seit ihrer letzten Insel durchgeführt hatte waren nur 24 Patronen ein Erfolg gewesen. Er dachte erst es wären 60 gewesen, aber nach bereits einen Tag hatte er merken müssen, dass bei den meisten Luft entwich.

    „Hmmm… ich brauche etwas… wie ein starkes Vergrößerungsglas… und wesentlich feineres Werkzeug… eine bessere Schmiede… es darf keine Risse geben…“ Alles was er vor sich hin murmelte schrieb er auf. Er würde noch auf 100% Erfolgsrate kommen, das war nur eine Frage der Zeit. Und natürlich der Ausrüstung.

    Schließlich hatte er seine Liste fertig geschrieben und packte seinen Rucksack. Frisch gebrannter Schnaps fand den Weg in seinen Mantel, ein starker Schluck erfrischte seine Kehle und er war bereit zum Aufbruch. „Dann mal los!“ grinste er und öffnete die Türe. „Hmmm… der Flur… daran muss ich noch arbeiten…“ er dachte kurz nach. „Ach, wahrscheinlich gut nicht jeden Weg zu verkürzen. Sonst werde ich noch dick…“ er sah an sich herbab „..er“.


    Kurz darauf kam er unter Deck hervor und war bereit die Insel zu betreten, doch scheinbar gab es schon den ersten Stress. Er sah noch wie Enrico von Deck sprang und unbekannte Leute anbrüllte. Schnell hechtete Eddi herbei um zu sehen was da los war. Die Situation war schnell klar: Ein Haufen Leute schien einen Fischmenschen ans Leder zu wollen, und Agwe und Enrico hatten sich dazwischen geworfen… „Aha… das übliche…“ murmelte Edward, als er etwas hinter sich hörte. „Und hier kommt die Kavalerie… drei… zwei…eins…“ in diesem Moment zischte Momo auch schon an ihm vorbei, um auch ja nichts von der Schlägerei zu verpassen. Edward schloss die Augen und schüttelte lächelnd den Kopf. „Bitte änder dich nie…“ flüsterte er, während er der prächtigen Amazone dabei zusah, wie sie wie in Zeitlupe auf dem Steg landete.
     
  11. Momo

    Momo Kopfgeldjäger

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    Ihre Pumps klackerten laut auf dem Steg. Es hallte sogar noch in den Ohren weiter und mit jedem "Klong, klong" ging es Momo mehr auf die Nerven. Barfuß war hier leider keine Option. Das Metall heizte sich in der Sonne zu sehr auf. Sie hatte sich schon den Finger verbrannt - nur zum Test. Nicht einmal TickTack wagte es, auch nur ein Pfötchen auf die Insel zu setzen. Dann mussten halt nun alle Bewohner und Crewmitglieder damit leben, das nun ein ständiges "Klong-klong" diesen Ort erfüllen würde. Bis zu ihrer Abreise. Die hoffentlich schnell erfolgt. Sie musste noch herausfinden, wie lange die Lockport-Ladezeit hier dauerte...
    ~Klong-klong~
    Momo war damit beschäftigt das Schiff zu vertäuen und ließ sich dabei ausgiebig Zeit. Zwar war sie froh, endlich eine Ablenkung gefunden zu haben und mal eine andere Luft, als die auf der El Pollo Diablo, zu schnuppern. Aber dieser... Haufen Schrott, der sich anscheinend "Magnes Katar" schimpfte, ging ihr jetzt schon gehörig auf die Nerven.
    Es war einfach zu heiß hier - der Metallboden gab eine gute Portion Hitze ab.
    Sie war unausgeschlafen.
    Ihr fehlte Haydee.
    ...und sie hatte schon tagelang keinen Schlangenschnaps mehr bekommen!

    Sie begab sich nochmal für einen Moment in das Kühle ihrer Kajüte und klaubte ein paar Sachen zusammen. Es war höchste Zeit ein paar neue Klamotten zu kaufen! Die anderen waren entweder zerfetzt, verbrannt, verfärbt, ausgeblichen... oder es fehlte ein Knopf. Und neue Schuhe waren auch mal fällig. Geld hatte sie ja noch genug. Und wenn sie sich erstmal mit Tabak und Fusel eingedeckt hatte, blieb bestimmt noch was übrig. Wenn nicht, musste sie Edward anpumpen.
    Als sie einige Kleidungsstücke in ihren Seesack stopfte, fiel ihr ein Detail auf. Unter dem ganzen Stoff, war ein Stoff, welcher sich farblich abhob.
    Es war ein dezenter Lila-Ton, den die Teufelsfrau nie tragen würde.
    Mit spitzen Fingern zog sie das Kleidungsstück raus - und ihr Herz blieb kurz stehen.
    Es war ein altes Kleid von Haydee. Es war wohl in dem Saustall untergegangen, sie hatte es übersehen und vergessen, mitzunehmen. Es roch sogar noch nach ihr...
    "Mach es dir doch nicht so schwer, Kleines."
    Momo schüttelte den Kopf. Genug der Gefühlsduselei. Dafür hatte sie nun Zeit genug.
    Sie legte den Kopf schief, betastete die unzähligen kleinen Taschen des Kleides... und mit einem KLONK fiel etwas zu ihren Füßen auf den abgewetzten Holzboden.
    Es war eine Uhr.
    Es war ihre Uhr.
    Der Teufelsdame steckte plötzlich ein Kloß im Hals und sie wollte das Kleinod erstmal nicht aufheben. Sie starrte es an, minutenlang. Bis sich die Glatzköpfige langsam danach bückte und das kühle, silberne Metall an sich nahm. Es war eine der kleineren Uhren, die sie um ihre Hüfte getragen hatte. Das Glas über das Ziffernblatt war schon mit einigen Kratzern übersät, aber das silberne Gehäuse war auf Hochglanz poliert. Wahrscheinlich hat sie sehr gut auf ihre Uhren aufgepasst - ein Detail, das Momo jetzt erst erfuhr.
    Die Taschenuhr tickerte unablässig, bis zur vollen Stunde ein leiser Piepston erklang.

    Der Wind peitschte ihr mit einer starken Böe ins Gesicht, als sie wieder an Deck war.
    Und von dort oben konnte sie wunderbar überblicken, wie die Ankunft des Mojo Bunches natürlich - wie immer - schon Früchte trug. Ein riesiger Fischmensch hatte Agwe über den Haufen gerannt. Dieser küsste nun einen Pfeiler und Enrico war schon zwischen die herannahende Meute und ihrem Kapitän getreten.
    Wie eine Lokomotive nahm Momo Fahrt auf, rauschte an Edward vorbei...
    Bumm - bumm - bumm ---- KLONG! --- Klong, klong - BAM!
    Es war ein herrliches Schauspiel. So wünschte man sich jede Ankunft auf einer Insel.
    Momo war mit langen Schritten über das Deck gelaufen, tat einen eleganten Sprung über die Reling des Schiffes, landete mit einem Knall auf der Insel und gab dem nächsten ihr Nahestenden eins auf die Nase. Das war zu seinem Unglück, der Fischmensch. Er war zwar riesig und breit und angsteinflößend. Und hatte vielleicht auch nichts mit dem Menschenauflauf zu tun. Aber er stand der Teufelsdame am nächsten, hatte zusätzlich ihren Kapitän umgerannt... und sie wollte endlich wieder mal eine Schlägerei anzetteln!
    "Entschuldigung angenommen!", grinste die Glatzköpfige und beendete somit feierlich den Prolog Enricos.
     
  12. Samantha

    Samantha Kopfgeldjäger

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    Die weiche Erde dämpfte die Schritte von Samanthas Lederstiefeln und federte leicht. Im Gegensatz zu ihrer Heimat Lefeits war die Luft auf dieser Insel durchtränkt mit Feuchtigkeit und schon bald waren ihre Klamotten und ihre Haus wieder nass, obwohl sie nicht schwitzte. Generell war das Klima eher mild als tropisch. Der Wald schien nur von Tieren genutzt zu werden, denn mehr als hier und da einen Trampelpfad konnte die Kriegerin nicht entdecken. Ob es hier überhaupt Zivilisation gibt? Sie wusste nicht viel über andere Inseln auf der Grand Line, nur dass diese große Unterschiede in der Entwicklung, dem Klima und der Bevölkerungsdichte aufwiesen. Zumindest scheint Agrarwirtschaft hier nicht besonders verbreitet zu sein, sonst wäre dieser Wald vermutlich längst Feldern gewichen, um den fruchtbaren Boden auszunutzen. Zuhause haben wir oft Asche benutzt, um die Gemüsebeete zu düngen, also wird wohl der Vulkan die Ursache für die reichhaltige Erde sein. Sowohl die Anwesenheit eines Vulkans, der regelmäßig Asche ausspucken musste, um die Natur dermaßen am Leben zu erhalten, als auch der Mangel an Zeichen von Zivilisation, regten in der Braunhaarigen rege Zweifel, ob sie hier auf andere Menschen stoßen würde und ob diese es bis zum Bau eines größeren Dorfes oder sogar einer Stadt gebracht hatten. Eine Stadt wäre wohl der Ort, an dem man jemanden mit einem Schiff am wahrscheinlichsten antreffen wird.
    Samantha war also auf der Suche nach einer Stadt und da wohl niemand auf die Idee käme, eine solche direkt neben einem Vulkan zu errichten, richtete sie ihre Schritte quer zu der leichten Steigung aus. Es war ein Glücksfall, dass sie sich daran orientieren konnte, denn durch das dichte Blätterdach konnte sie weder die Sonne präzise lokalisieren, noch sich am Mooswuchs an den Baumstämmen einen Anhaltspunkt suchen. Die hangabwärts führenden Bachläufe, die immer wieder ihren Weg kreuzten, bestätigten ihre Ausrichtung zum Hang. Auch wenn die junge Frau sich wunderte, woher diese gespeist wurden. In ihrer Vorstellung taugte ein Vulkan nicht gerade als Berg für eine Quelle. Anfangs waren alle ihre Sinne in Alarmbereitschaft und bis auf einige wenige Momente, wenn sie eine Wurzel ausgrub, um ihren Magen zu beruhigen, blieb sie stets in Bewegung. Sie wagte es nicht, sich satt zu essen, denn der volle Bauch würde sie träge und schläfrig machen. Bisher hatte sie kaum Tiere zu Gesicht bekommen, doch wenn ein Raubtier es auf sie abgesehen hätte, wollte sie im Vollbesitz ihrer Reflexe sein. Hier und dort hörte sie Vogelrufe, das Flattern von Flügeln oder das Rascheln der Blätter. Generell schienen die Lebewesen des Waldes jedoch recht scheu zu sein. Ein weiterer Punkt, der die Ogounìsta nervös machte. Wenn ausnahmslos jedes Tier floh, wenn sich etwas näherte, dann musste es auf dieser Insel mindestens eine Raubtiergattung geben, die alle anderen Tiere dermaßen verschreckte. Es könnten auch Menschen sein, das wäre mir beinahe die liebste Alternative... Doch noch während sie dies dachte, war sie sich sicher, dass Menschen nicht die Ursache waren.
    Selbst nach einigen Stunden war weit und breit nichts von irgendeiner Art von Zivilisation zu entdecken. Doch jetzt offenbarte sich die Ursache für die feuchte Luft und die vielen kleinen Bäche. Ein Nieselregen hatte eingesetzt. Sehr leise prasselten die kleinen Tropfen auf das Blätterdach und an einigen Stellen bildeten sich kleine Wasserfälle, über die das Wasser von den Baumkronen zum Erdboden gelangten. Auch wenn ihr die Vegetation einen gewissen Schutz vor dem Wetter bot, musste Samantha sich langsam um einen Unterschlupf für die Nacht kümmern. Denn der Himmel wurde immer dunkler. Für dieses Vorhaben hätte sie zumindest gerne einmal gesehen, mit was für einem Raubtier sie es zu tun hatte, um auf seine Jagdmethode und Fähigkeiten schließen zu können. Da sie bisher fast nur Anzeichen für tierisches Leben in den Bäumen ausgemacht hatte, war es möglich, dass das Tier nicht klettern konnte und ein Baum ein guter Schlafplatz wäre. Zudem würden die Erschütterungen sie dann wenigstens ein bisschen vorwarnen.
    Wo steckst du, Agwe Facilier?, fragte Samantha weniger sich selbst, als an ihre immerwährenden Begleiter, die Loa gerichtet. Bei einem geeigneten Baum blieb sie stehen. In seiner Krone befand sich eine breitere Kuhle, es gab ausreichend Zweige zum hinaufklettern und die niedrigsten Zweige waren recht hoch, sodass weder Mensch noch Tier ohne weiteres herankam. Grinsend zog Samantha ihre Hakenschwerter. Nahimana hatte dies bis zur Erschöpfung mit ihr geübt, sodass die grünäugige eine solche Aktion selbst sturzbetrunken schaffte. Was vielleicht daran liegen mochte, dass sie bei vielen der Lektionen sturzbetrunken gewesen war.
    Einige Schritte Anlauf, ein Sprung, eine geübte Bewegung mit den Waffen, deren Haken sich um den Ast legten und etwas Schwung, schon saß Samantha auf einem der unteren Äste, von dem aus sie zu der Mulde emporkletterte. Darin rollte sie sich ein, legte sich ihr Klamottenbündel als Kissen unter den Kopf und lauschtem dem Nachtleben des fremden Waldes.
     
  13. Agwe

    Agwe Kopfgeldjäger Kapitän

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    Agwe brauchte einige Sekunden, um sich zu erholen. Immerhin knallte man nicht alle Tage mit voller Wucht gegen einen Pfeiler – und fiel dann auch noch ins Wasser. Oder halt, doch nicht. Zwar hörte er ein lautes Platschen und spürte, wie kühles Wasser auf seiner Wange und seinem Frack landeten, aber er konnte noch atmen und sank auch nicht nach unten. Irgendjemand anderes war ins Wasser gefallen.

    “Lasst ihn in Frieden!“

    “…du schuldest Agwe noch eine Entschuldigung…“

    BAM

    “Entschuldigung angenommen.“



    Diese einzelnen Gesprächs- und Lautfetzen drangen nur schemenhaft in Agwes Verstand vor, der um sich selbst zu kreisen schien. Nur sehr langsam gelang es dem Voodoopriester, seine Gedanken neu zu sortieren. Es war wie nach einem guten Trip, einer Visionsqueste der Loa: Er konnte sich nicht wirklich daran erinnern, wer oder wo er war, ihm tat alles weh und seine Umwelt schien mit jedem Moment weniger und weniger Sinn zu ergeben. Anscheinend konnte auch plötzlicher starker Schmerz diese Effekte erzeugen. Das würde er sich merken müssen.



    “Ich weiß ja nicht wer ihr seid, aber ihr geht uns besser schnell aus dem Weg! Jetzt, wenn’s genehm ist!“ Irgendetwas an dieser Stimme ließ Agwe aufhorchen. Sie klang… Anders. Gereizt. Und irgendwie noch dumpfer als die anderen Stimmen. Hatte er sich etwa irgendetwas am Ohr zugezogen?

    “Dieser Fischmensch da gehört zu uns und unser Boss möchte gerne ein Wörtchen mit ihm reden, also rückt mal schön zur Seite und wir sehen sogar darüber hinweg, dass ihr uns hier ohne guten Grund attackiert habt. Andernfalls…“ Ein helles, metallenes Funkeln fiel Agwe in die Augen und er musste sie zusammenkneifen, um nicht geblendet zu werden. Aber wenigstens eine gute Sache erwuchs daraus: Durch das plötzliche helle Licht bündelten seine Gedanken sich wieder und er konnte, trotz zusammengekniffener Augen klar sehen.

    Er lag auf dem Boden, eng an einen Kaipfeiler gekuschelt, gegen den er anscheinend mit vollem Karacho gedonnert war. Vor ihm standen Enrico und Momo, beide kampfbereit, dazu dieser Riese von Mensch, der ihn umgerempelt hatte – nein, halt, das war ein Fischmensch. Und er sah ziemlich mitgenommen aus. Agwe erkannte diese Art von Verletzung sofort, das war Momos Handschrift. Die angehende Priesterin konnte echt ordentlich zuschlagen. Dass der Fischmensch nach einer Kelle von ihr noch stand war ein Testament dessen eigener Stärke. Er konnte sich ziemlich gewiss wehren.

    Doch vor Momo und Enrico standen Leute, die Agwe nicht kannte und die auch nicht so zäh wirkten wie der Fischmensch. Sie trugen Tücher vor ihren Gesichtern und einer von ihnen, Agwe vermutete dass das derjenige war, der zuletzt gesprochen hatte, hatte ein langes Messer in der Hand, mit dem er auf Enrico und Momo zeigte. Ganz offensichtlich drohte er ihnen.

    “Now, hold on, man…“

    “Hä? Was?“ Agwe erhob sich langsam. Die Überraschung, dass noch jemand auf diesem Pier lag, stand den Maskierten regelrecht ins Gesicht geschrieben, als Agwe aufstand. “Gehörst du zu der Glatzköpfigen, der Speckbacke oder dem Fischmenschen da? Ist ja auch egal, Großer, wenn ihr euch nicht verzieht…“

    “Rede niemals so über Gläubige, man.“ Agwes Stimme war ruhig, aber in ihr lag eine ungeheure Kraft und eiskalte Wut, die sogar den Messerträger verstummen ließ. “Ich weiß nicht, wer du bist, man, aber wenn du meine Crew beleidigst, dann machst du einen Fehler. Nun, diesen Fehler könnte ich dir verzeihen, man, denn auch die Loa sehen über so etwas hinweg. Was ich aber nicht verzeihen kann, man, das ist, wenn man meine Crew bedroht. Oder ihnen mit Messern vorm Gesicht herumwedelt, man. Also lassssse ich dir jetsssst die Wahl… Entschuldige dich und hau ab… Oder ssssspüre meinen Zssssssorn.“



    Während er sprach wurde Agwes Stimme immer höher, zischelnder. Seine Haut wurde noch dunkler und überzog sich mit einem fremdartigen Schuppenmuster. Die Zähne des Voodoopriesters gingen langsam zurück, bis auf die Eckzähne, welche länger und spitzer wurden. Seine Kleidung veränderte sich subtil, um dem immer breiter werdenden Kreuz und den sich verlängernden Beinen Platz zu machen. Seine Augen wurden größer, fremdartiger, mit im Zorn geweiteten, geschlitzten Pupillen. Knochen knackten. Das morsche Holz des Piers ächzte bedrohlich unter dem ungewohnten Gewicht der riesigen Hybridkreatur, die er jetzt plötzlich tragen musste.

    “Wa… wawawawawas… IST DAS?“ Panik lag in Stimme und Gesicht des Maskierten und seine Waffe fiel klimpernd zu Boden. Agwe zischelte leicht, er überragte seine Gefährten jetzt über einige Meter, sein Schatten fiel auf Momo und Enrico.

    “Dassss isssssst der Zsssssorn der Loa.“

    Noch bevor Agwe seinen gefährlich gereckten Hals vorschnellen lassen konnte, um den erstbesten Maskierten zu packen und zu Tode zu beißen erfüllten panische Schreie die Luft.

    “TEUFELSMENSCH!“ riefen einige und eben so schnell, wie sie sich gefunden hatten, verstreuten sich die Kampfeslustigen in alle Winde. Einige rannten den Pier entlang, andere sprangen in ihrer Panik ins Wasser. Agwe sah ihnen belustigt dabei zu, ehe er sich sehr langsam wieder zurückverwandelte. Und dann klopfte er dem Fischmenschen, der ihn umgerannt hatte, auf die Schulter.



    “He, man. I don’t know who you be, aber du hast dich für mich eingesetzt. Das ist mutig, man, und du kannst anscheinend auch was aushalten. Ich bin Agwe Facilier und das hier ist meine Crew, der Mojo Bunch.“ Er machte eine ausladende Geste, die sowohl ihn, Momo, Enrico als auch das Schiff umfasste. “You got guts, man. Sorry wegen Momos Temperament, so ist sie eben. Who you be?“ Er sah den Fischmenschen neugierig an. Irgendwie hatte er etwas vertrauenserweckendes an sich. Oder war das nur eine Nachwirkung von dem Sturz gegen den Pfosten?
     
  14. Noah

    Noah Kopfgeldjäger

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    Noah war gerade über den Steg gerannt um zu seinen unschuldigen Rempelopfer zu gelangen, als plötzlich ein dicker Kerl mit lautem Getöse vor ihm auf den Holz landete. Noah bremste in letzter Sekunde ab, bevor er in den Neuankömmling, der wohl von dem Schiff neben ihnen gesprungen sein musste, hineinkrachte. Was ihn sofort in den Genuss von aufgespritztem Salzwasser brachte, als der Dicke einen der Tuchträger ohne langes Prozedere ins Hafenbecken beförderte. Wer immer der Fremde war, er hatte auf jeden Fall ordentlich Kraft in den Armen.
    "Würde mir im Traum nicht einfa-" KRACH! Noch jemand war vom Schiff gesprungen und hatte Noah mitten ins Gesicht geschlagen, mit solch einer Wucht, dass es den Fischmenschen zu Boden warf. Irgendwas klingelte in Noahs Ohren. Wer immer ihn auch geschlagen hatte haute mit mehr Kraft zu als seine Frau! Oh, seine Nase tat höllisch weh... War sie gebrochen? Konnte gut sein, es strömte auf jeden Fall heißes Blut heraus. Was machte man noch mal, wenn die Nase blutete? Den Kopf zurücklegen oder? Um den Blutfluss zu stoppen...
    Es dauerte einen Moment bis Noah wieder so weit seine Gedanken geordnet hatte, dass er sich daran erinnerte, aufzustehen. War auch besser so, schließlich wurde er immer noch verfolgt! Auch wenn das Geräusch von laufenden Füßen auf dem Holzsteg mittlerweile verstummt war... Und selbst wenn der Dicke bereits sämtliche Tuchträger ins Hafenbecken geschleudert hatte, wer auch immer da vom Schiff gesprungen war und Noah ins Gesicht geschlagen hatte, konnte ihm wohl kaum wohl gesonnen...
    Immer noch leicht benommen rappelte er sich auf, legte den Kopf in den Nacken und drückte mit einer Hand seine Nasenflügel zu um den Blutfluss aus seiner Nase zu stoppen. Was nicht verhinderte die Frau mit der Glatze zu sehen, die nun neben dem dicken Kerl stand und wohl diejenige sein musste, die ihn niedergeschlagen hatte. "War das wirglich nödig?" fragte er sie leicht genervt und blickte zu den Tuchträgern. "Ich häde bich ja endschuldigt und die da sind weid bessere Siele." Noah befühlte vorsichtig seine Nase ein wenig; sie war ziemlich angeschwollen, aber soweit er beurteilen konnte, nicht gebrochen. Immerhin etwas. Trotzdem, ins Wasser springen konnte er nun auch nicht mehr wirklich: Salzwasser in Verletzungen schmerzte höllisch. Ganz abgesehen davon, dass Hafenbecken oft unfassbar dreckig waren und Noah keine Lust hatte, das Zeug, dass darin schwamm in offene Wunden zu bekommen.
    Als einer der Tuchträger sagte, Noah gehöre zu ihnen ballte sich seine Hand zu Haut. Unwillkürlich bleckte er seine nadelspitzen Zähne. Er gehörte NIEMANDEN! Schon gar nicht diesen Menschen, die ihn überfallen hatten, wo er gerade ein Gasthaus gefunden hatte, indem er sich hätte ausruhen können! "Ich gehöre überhaubd nichd su euch! Ihr habd bich versuchd einsufangen und bich durch die ganse Sdad gejagd!" donnerte er wütend. Sein Zorn verflog allerdings sofort, als er sah, wie der Tuchträger, der sich zum Sprecher seiner Gruppe erkoren hatte, ein langes Messer zog und auf sie zuging. Das Herz rutschte ihm in die Hose. Noah war kein Kämpfer. Er hatte Instinkte, Größe und viel Glück, aber kein Training, keine Erfahrung und nichts. Und er wusste, was für Wunden ein Messer hinterließ, genug seiner Narben stammten von einer solchen Klinge... Er trat einen Schritt zurück. Er wollte ins Wasser springen und weit wegschwimmen, Schmerz und Infektionsgefahr verdammt, aber er blieb doch stehen. Denn die drei Leute, der Dicke, die Kahle und der Lange am Boden waren noch da und würden sich mit den Tuchträgern seinetwegen schlagen müssen. Und sie konnten zwar offensichtlich auf sich selbst aufpassen - okay der Dicke und die Frau ohne Haare, von dem Mann, den er umgerempelt hatte konnte er dies nicht wirklich sagen - aber er konnte sie auch nicht einfach mit seinen Verfolgern allein lassen, das wollte sein Gewissen einfach nicht zulassen. Noah nahm eine vage Haltung ein, die entfernt der Fischmenschenkarate Grundhaltung ähnelte, die er seinen Freund Rakor mal hatte benutzen sehen, und richtete ein kurzes Stoßgebet an alle Götter, Loa, oder was sonst noch da oben rumschwirren möge, dass er den heutigen Tag überlebte.
    Und offenbar wurde er erhört, als der Lange Mann sich aufrichtete, in einem deutlichen Black Lung Akzent den Tuchträgern klar machte, in wie viel Scheiße sie steckten und sich vor Noahs Augen in eine anthropromorphe Schlange verwandelte. Eine verdammt große - lange? - die noch einige Köpfe über sogar Noah ragte und mit einem Zischen sprach, dass dem Hai einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen ließ. Und die Tuchträger schrien entsetzt und flüchteten Hals über Kopf davon! Es schien Noah, als wäre heute doch sein echter Glückstag! Wie sonst könnte man sich erklären, dass er einen Teufelsmenschen aus Black Lung über den Haufen rannte, der ihm dann den Hals vor diesen seltsamen Maskierten rettete?
    Und dann verwandelte der Schlangenmann sich zurück und wandte sich zu Noah und hätte der Lange nicht eher belustigt ausgesehen, Noah wäre davon gerannt.
    "Noah DeGrood, gans erfreud. Dud bir Leid, dich ubgerannd zu haben." stellte Noah sich vor und nickte auch Agwes zwei Crewmitgliedern zu. "Und ehrlich, war das Bindesde. Gann euch ja nichd meine Problebe aufhalsen. Gehörd sich nichd, you gnow." Noah hatte ein klein wenig der Black Lung Art zu sprechen von Rakor aufgeschnappt und nun verfiel er wieder darin. Im Gegensatz zu Agwes Original klang es jedoch alles andere als gut. Und die beschädigte Nase half auch nicht. "Buss bich eigendlich bedangen. Die haben bich schon eine ganse Weile gejagd." Noah legte den Kopf ein wenig schief. "Sag, brauchd ihr vielleichd irgendwas für euer Schiff? Bin Siberban von Beruf und böchde bich revanchieren." Auch wenn sein Werkzeug, wie ihm gerade jetzt siedend heiß einfiel, immer noch in dem Gasthaus lag.
     
  15. Enrico

    Enrico Kopfgeldjäger

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    Enrico war sich nicht sicher, ob er lachen oder enttäuscht sein sollte, dass die Maskierten ihn, Momo und den Fischmenschen mit einem Messer bedrohten. Er selbst wusste sich gegen Messer zu verteidigen, und zum einen würde die Waffe ihnen gegen Momo wenig helfen, sie würde sie wahrscheinlich verschlingen bevor sie überhaupt damit ausholen konnten, zum anderen war es nur ein einziges Messer. Es war gut möglich, dass noch mehr Begleiter des Messerschwingers welche an ihrem Köper trugen, aber bis sie diese gezogen hatten würden sie schon am Boden oder vom Steg geworfen worden sein. Und dass der Fischmensch noch neben ihnen stand, nachdem er einen von Momos Hieben mitten ins Gesicht bekommen hatte zeugte nur von seiner Kraft. Alles in allem war die Situation hier etwas eskaliert, aber noch lange nicht gefährlich. Der perfekte kleine Nervenkitzel nach einer halben Ewigkeit auf dem Schiff.

    Gerade als er dachte, dass sich die Maskierten auf sie stürzen würden, war Agwe hinter ihnen wieder zu Bewusstsein gekommen und begann mit dem Maskierten zu reden. Zuerst noch ruhig, bis er sich in seine Hybridschlangenform verwandelte. Bei dem Anblick wurde selbst der Musiker ein wenig unruhig. Er hatte zwar schon gehört bekommen, dass der Priester dank seiner Teufelskräfte ein Schlangenmensch war, doch hatte er es seit er dem Bunch beigetreten war irgendwie immer verpasst Agwe seine Kräfte nutzen zu sehen. So sehr es ihn aber überrascht hatte, umso schnell fing er sich auch wieder und wandte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Maskierten. Egal welche Gestalt er annahm, Agwe würde immer Agwe sein, also brauchte er sich um ihn keine Sorgen zu machen. Zudem hätte er seinen Blick weiter auf Agwe gerichtet hätte er verpasst, wie die Maskierten panisch selbst vom Pier sprangen, um sich ja nicht mit dem Teufelsmenschen anlegen zu müssen. Das war wirkliche ein Anblick, welchen er um nichts verpassen wollte. Es erinnerte ihn an die Zeiten im El Pollo Negro, wo sich einige unruhige Gäste selbst aus dem Fenster geworfen hatten, nachdem er auch nur in ihre Richtung geblickt hatte, und dass war immer ein amüsantes Erlebnis. Auch wenn Gil die zerstörten Fenster auch in diesem Fall auf seiner Rechnung notierte.

    Die Situation jedenfalls war entschärft, und auch wenn es zu keiner großen Schlägerei kam, war es doch ein netter Start hier auf der Insel. Agwe machte sich nun mit dem Fischmenschen, der sich als Noah vorgestellt hatte, bekannt. Besonders spitzhörig wurde er dabei, als er der Fischmensch erwähnte, dass er Zimmermann war. Da war ja noch diese eine Sache, mit der er Edward nicht belästigen wollte. Das Schiff hatte sicher die ein oder andere Stelle, an der es Reparaturen benötigen könnte. Diese morsche, knackende Stelle direkt neben seiner Hängematte machte ihm besonders sorgen, aber es gab da noch etwas, dass wichtiger für ihn war. „Kennst du dich auch mit Holzlackierungen aus? Die Seeluft hat die Lackierungen auf meinem Klavier in letzter Zeit schlecht zugesetzt. Wenn die nicht irgendwann mal erneuert werden, könnte es gut sein, dass das Holz und der Klang damit angegriffen wird.“ Noah wollte dem Musiker darauf antworten, als etwas mehr Blut aus seiner Nase zu tropfen begann und ihn in den offenen Mund geronnen wäre, hätte er ihn nicht schnell zugemacht. „Aber vielleicht sollten wir erstmal deine Nase verarzten, bevor du noch dein halbes Blut hier auf dem Pier verlierst. Kannst du da irgendwas für ihn machen Agwe?“
     
  16. Edward Buraddo

    Edward Buraddo Kopfgeldjäger

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    Es war doch immer wieder lustig der Crew in Action zuzusehen. Klar, wenn sie ihn mit diesem Verhalten selber in Gefahr brachten war es weit weniger amüsant, aber solange er es aus sicherer Distanz beobachten konnte war er einfach nicht in der Lage sich ein grinsen zu verkneifen. Kaum das Momo gelandet war hatte sie dem Fischmenschen auch schon einen Schlag ins Gesicht verpasst, was Edward kurz dazu brauchte seinen Blick abzuwenden. „Owwwwwww… au au au… das muss weh getan haben…“ zischte er während er sich kurz schüttelte und wieder dem Schauspiel vor dem Schiff beiwohnen konnte.

    Dann gab es etwas, das Edward bislang noch nie gesehen hatte. Zwar segelte er schon eine ziemlich lange Zeit mit Agwe zusammen über die Meere, aber er hatte noch nie die Gelegenheit gehabt seine Zoan-Verwandlung zu sehen. Sie kam im Packet mit einer religiösen Drohung, aber das nahm wirklich nichts von der atemberaubenden Szene. Ein gewaltiger Schlangenmensch, schwarz wie die Nacht, und er überragte die meisten anderen um mindestens einen Kopf. Edward war so beeindruckt dass er gar nichts anderes mehr mitbekam. Er hatte gehört dass Zoans wirklich imposante Gestalten hervorbrachten, aber es selber mitzuerleben war doch etwas völlig anderes. Zoan Früchte waren schon eine Klasse für sich, zumindest wenn es um die Präsentation ging.

    Während er das Geschehen in sich aufnahm rannten die Angreifer in Panik davon. „Huh…“ murmelte der Tüftler. „Und ich hätte gedacht auf der Grandline wäre man Teufelsfruchtnutzer gewöhnt…“ Er zuckte kurz mit den Schultern und ging dann kurz zur Strickleiter, welche am Rand des Schiffes befestigt war. Er warf die Leite nach unten, so dass der Rest der Crew und ihr neuer Freund wieder an Bord kommen konnten. „HEY!“ rief er kurz runter. „Wollt ihr nicht erst mal an Bord kommen?“