Die Schattenseite des Mondes

Dieses Thema im Forum "Mond Insel" wurde erstellt von Livy, 11. Juli 2010.

  1. Livy

    Livy Inaktiv

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    Eigentlich macht die Lage der Mondinsel das seltsam geformte Fleckchen Erde zu einem hervorragenden Ort für Frieden, Freude und Freiheit. Anders als auf der Sonneninsel jedoch, wo diese Ideale von der königlichen Familie angestrebt werden, ist das Schwestereiland eine Brutstätte von Gewalt und Krieg. Die Herrscher des Reiches, die adlige Familie Tsukuyomi, neidet ihren Konkurrenten ihren Status und ist stets darum bemüht, ihre selbsterwählten Feinde zu vernichten. Die täglichen Großangriffe um Mitternacht, sowie die kleinen, irregulären Vorstöße sind Zeichen dieses abgrundtiefen Hasses.
    Diese schreckliche Hintergrundgeschichte hat auch das Aussehen der Mondinsel geprägt: Statt in hellem Glanz zu erstrahlen ist das gesamte Land von grauen Rauchschwaden umhüllt. Die zahllosen Waffenfabriken der Hauptstadt "Dark", die sich im Zentrum der Insel über die gesamte Breite der Landmasse erstreckt, verschmutzen die Luft derart, dass man sich wie von ewigem Nebel umschlungen fühlt. Im Schutz dieses dreckigen Schleiers gehen Ganoven, Kriminelle und Räuber aller Art ihren schmutzigen Geschäften nach. Wer auch immer an der zerklüfteten Küste anlegt sollte auf der Hut sein...

    von: Der Hafen von Sunny
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juli 2010
  2. Alles war schwarz.
    Egal wohin sie schaute, nichts als tiefe Finsternis offenbarte sich ihrem Blick. Nicht einmal die Farbe des sandigen Bodens, auf dem sie inmitten dieser dunklen Leere zurückgelassen worden war, konnte sie erkennen. Wie lange war sie schon hier? Sie konnte es nicht sagen… Stunden, Tage? Ihr letztes Essen schien Jahre her zu sein…
    "Hunger… Tsu-chan…"
    Ihre sonst so zarte Stimme war zu einem kratzigen Flüstern verkommen, ihre Kehle war staubtrocken. Mit den Händen tastete sie vorsichtig über den Boden, doch bereits die ersten Male hatte sie nichts gefunden, dass ihren Durst hätte stillen können. Ihre Finger fanden nur Sand. Sie sollte aufstehen, ihre Zelle ablaufen und durchsuchen, doch die Angst vor der Dunkelheit war zu groß. Noch nie hatte sie Angst vor der Dunkelheit gehabt… sie hatte sie nie haben müssen.
    Jetzt hatte sie Angst.
    "Tsu-chan, wo...?"
    Ein Geräusch drang durch die endlosen Schatten an ihr Ohr. Es wiederholte sich in regelmäßigen Abstanden und erzeugte ein Echo. Tock, tock, tock, tock. Es wurde lauter, so als würde es näher kommen. Es klang wie… ja, es waren Schritte, Schritte, die näherkamen. Endlich! Er hatte sie nicht vergessen, wie hatte sie nur an ihm zweifeln können? Tock, tock, tock, tock. Er kam sie holen, ganz wie er es versprochen hatte. Er hielt sein Wort. Er war nun einmal ein echter Mann, der zu seinem Versprechen stand. Deshalb liebte sie ihn. Deshalb, und weil er ihr die Freiheit geschenkt hatte.
    Tock, tock, tock.
    Die Schritte verstummten. Ein Klimpern ertönte, Metall schrammte gegen Metall, dann klickte etwas. Schummriges Licht ergoss sich in den kleinen Raum und blendete sie. Sie blinzelte der kleinen Fackel entgegen, hinter der sie ein bekanntes Gesicht entdeckte. Beim Anblick der scharfen Gesichtszüge wären ihr beinahe die Tränen gekommen.
    "Tsu-chan, du bist endlich da…"
    Die schmalen Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.
    "Natürlich, Hime-sama. Wie könnte ich euch allein an diesem schrecklichen Ort zurücklassen? Dass es überhaupt sein musste… es tut mir so Leid, glaubt mir, aber es gab keinen anderen Weg. Ihr musstet untertauchen."
    Sie streckte ihre Finger nach dem bleichen Gesicht aus, doch anstatt sich von ihr berühren zu lassen trat die gestalt einen Schritt zurück und ergriff ihre Hand mit der eigenen. Mit einem heftigen Ruck zog er sie auf die zittrigen Beine. Sie ließ es geschehen, wobei sie sich selbst flüstern hörte:
    "Es ist in Ordnung, wirklich, Tsu-chan, ich verstehe es, der Preis für die Freiheit… jetzt, endlich… frei…"
    Durch flatternde Lider sah sie, wie sein Lächeln breiter wurde.
    "Ja, meine Liebe, ihr seid frei, wahrlich…"
    Das Licht der Fackel wurde schwächer, ihre Augen schlossen sich. Sakura verlor das Bewusstsein.
     
  3. Livy

    Livy Inaktiv

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    Der Himmel verfinsterte sich zusehends. Teilweise lag dies daran, dass sie Zeit rasch verging, während sie die Dragon unter geblähten Segeln ihrem Zielort näherte. Während es beim Ablegen von der Sonneninsel später Nachmittag gewesen war, gingen die Kabukis nun mit großen Schritten dem Abend entgegen. Die Sonne hatte schon längst ihren Zenit überschritten, weshalb Shien schätzte, dass es etwa vier oder fünf Uhr sein musste.
    Allerdings war es nicht nur das vorsichtige Hereinbrechen der Nacht, das für die Dunkelheit verantwortlich war. Ein seltsamer Nebel hatte sich vor etwa einer Stunde der Umgebung bemächtigt, doch dieser Vorhang war nicht blass weiß, sondern von einem schmutzigen Grau. Shien hatte versucht, in dieser seltsamen Luft tief einzuatmen, während er hinter seiner Navigatorin stand und ihr über die Schulter sah, doch ein unangenehmes Kratzen in der Kehle hielt ihn zurück.
    *Woher kommen diese Schwaden, und aus was bestehen sie?*
    Angestrengt starrte der Schwarze nach draußen in die Ferne, bis ein grimmiges Räuspern ihn zurück an Deck holte. Jen warf ihm über die Schulter einen ungeduldigen Blick zu, dann nickte sie in Richtung Karte. Sofort griff Shien zu den navigatorischen Instrumenten, fingerte an ihnen herum, und presste den Finger schließlich gegen die Karte an der Wand, auf der Sonnen- und Mondinsel zu sehen waren. Genauer gesagt wies er auf einen Punkt etwa vier Zentimeter unter und drei Zentimeter rechts von einem schwarzen X, über das in geschwungenen Buchstaben das Wort "Dark" zu lesen war. Jennifer seufzte.
    "Wir sind also schon an Land?"
    Verdutzt blickte Shien auf seinen Finger. Tatsächlich, er hatte ihn auf die Fläche innerhalb der Grenzen der Insel gesetzt. Dabei war er sich sicher, dass er die Koordinaten diesmal richtig berechnet hatte… *Vergiss es! Das ganze ist sicher nur eine Frage der Übung, und solange du nicht aufgibst wirst du es früher oder später lernen. Wie schwierig kann es denn schon sein, eine Karte zu und ein paar Instrumente zu lesen?*
    "Käpt'n?"
    Als Jen erneut die Stimme erhob ertappte sich Shien dabei, wie er mit zusammengebissenen Zähnen in Richtung Horizont starrte. Machte er immer ein solches Gesicht, wenn er sich selbst anzuspornen versuchte? "Ja, Miss Black?" "Ihr könnt die anderen schon mal zusammenrufen. Es dauert nicht mehr lang, bis…"

    Krrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrch!!!

    Ein heftiger Ruck ging durch die Dragon und schüttelte das gesamte Schiff durch. Hastig krallte sich Shien n einer der Ablagen für Instrumente fest, um nicht umzufallen. Jennifer hielt sich am Steuer fest und wankte kaum, obwohl sie der Aufprall genauso überraschend getroffen haben musste wie ihn. Als die Dragon endgültig stillstand blieb Shien noch einige Augenblicke reglos stehen, dann lockerte er sich wieder, ließ die Ablage los, trat einen Schritt zurück hinauf aufs Deck und glättete mit zittrigen Fingern seine Robe. Dann fixierte er den Rücken seiner Navigatorin.
    "Was ist passiert?"
    Jennifer antwortete ihm beinahe sofort. "Wir sind… auf Grund gelaufen?!"
    Shiens Augen weiteten sich beinahe unmerklich. Jennifer hatte die Position der Dragon falsch berechnet, weshalb sie tatsächlich auf Grund gelaufen waren? Zwar kannte der Schwarze die junge Dame kaum richtig, doch… aus irgendeinem Grund hätte er es nie in Betracht gezogen, dass sich Jennifer Black verkalkulieren könnte. Doch es war passiert. Die Dragon war aufgelaufen.
    Shien sah sich um und bemerkte, wie dicht der graue Nebel mittlerweile geworden war. *Das ist der Grund, ganz sicher… es ist sicherlich selbst dem besten Navigator unmöglich, in dieser dicken Suppe keine Fehler zu machen.*
    Mit festem Schritt verließ Shien seine Navigatoren und trat an die Reling. Jenseits der Bordwand erkannte er einen gräulichen Kiesstrand. Kein Wunder war die Dragon regelrecht auf die Küste hinaufgeschrammt. Sein Blick wanderte nach vorne, wo der Kies in einiger Entfernung graubraunem Grund wich. Weiter konnte Shien nicht sehen; der Nebel war zu dicht. Mit einem Sprung verließ Shien die Dragon. Er schaute sich um in der Hoffnung, irgendetwas zu finden, was ihm die Orientierung leichter machte. Doch alles was er sah war… Grau.
    Während seine Crewmitglieder sich neu ordneten und ihm vielleicht sogar folgten nahm Shien ein paar Schritte in Richtung Landesinnere. Zwei Meter vom Schiff entfernt – Shien starrte noch immer in den Nebel – erkannte er plötzlich eine Bewegung. Ein formloser Schatten schlich in etwa fünfzig Meter Entfernung vor ihm durch den trüben Brei, zu dem die Luft mittlerweile verkommen war. Mit jedem Zucken wurde er größer, fächerte sich auf, teilte sich. Aus einem Schatten wurden zwei, dann drei, dann vier, und schließlich fünf. Die formlosen Gestalten gewannen genauere Konturen, je näher sie der Dragon kamen, bis Shien schließlich erkannte, was – oder viel mehr wer – dort durch den Nebel auf die Neuankömmlinge zugeschlurft kam:
    Fünf breitschultrige, krummnasige, narbengesichtige, krausbärtige Gestalten, allesamt mit rostigen Schwertern oder Knüppeln bewaffnet. Einer von ihnen, von dem ein alles durchdringender Fischgestank ausging, setzte sich etwas von der Gruppe ab – der Anführer? Mit einem Blick, der die Absichten der Männer auch ohne Worte verriet, schaute der Hüne Shien an und sagte mit kratziger Stimme: "Willkommen in Dark! Geld oder Leben?"
    Die Frage war offenbar rhetorisch gemeint, denn im selben Moment stürzten drei der fünf Ganoven bereits schon nach vorne. Shien legte eine Hand auf das Heft seiner Zwielichtblüte, nahm einige Schritte zurück, und wandte sich mit lauter Stimme an seine Kameraden, die ihren Kameraden hoffentlich hörten:
    "Ähm… Freunde? Euer Kapitän bräuchte Hilfe, Hilfäääääääää!"
     
  4. Alice Hyde

    Alice Hyde Piratenkapitän

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    Langsam blätterte der Mann in seiner Zeitung, neben ihm, auf einem kleinen Schemelchen stehend, eine dampfende Tasse frischen Tees, Earl Grey natürlich, mit passender Kanne und einigem Gebäck, ebenfalls auf einem farblich abgestimmten Tellerchen drapiert. Ab und zu nahm der Mann einen Schluck von der Tasse, nur ein kleines Nippen, um sich nicht zu verbrennen, das Gebäck allerdings blieb unangetastet, so, als hätte es der Teetrinker nur dort hingestellt, um einer gewissen Tradition zu entsprechen. Etwas zu dem Aussehen des Mannes: Er ist hochgewachsen, dünn, und hat, so zeigt jedenfalls der leichte Bart an seinem Kinn, die Teenager-Zeit hinter sich gelassen. Das lange, lockige Haar ist zu einem Pferdeschwanz gebunden, was es jedoch nicht daran hindert, der Gestalt ins Gesicht zu fallen und so die Hälfte von eben jenem zu verdecken. Der Blick gleitet weiter an ihm herunter und fällt auf die exquisite Kleidung. Ein weißes Hemd mit gleichfarbigem Schal, eine rote Weste mit Silbernem Kettchen, das auf eine Taschenuhr hinweist und eine schwarze Anzughose. Die Hände des Mannes ungewöhnlich vernarbt, anscheinend hat er viel mit Messern zu tun. Wer sich nun fragt, mit welcher Tätigkeit dieser mysteriöse Teetrinker sein Brot verdient, der muss seinen Blick nur auf das Schild werfen, das über der Ladentür des Geschäftes hängt, vor dem es sich der Mann gemütlich gemacht hat. „Barbier“, steht da in verblichenen Buchstaben und eine große Holzschere hängt unter dem Schriftzug, schließlich gibt es auch Kunden die nicht lesen können. Sogar eine schmutzige „Barberpole“, eine von diesen rotweißen Säulen, rotiert an einer Wand des Ladens. Durch die von der Luft verschmierten Fenster lassen sich nur vage Stühle, Spiegel und Waschbecken ausmachen, etwas weiter, auf einem großen Tisch, liegen allerlei Apparaturen zum Haareschneiden aber auch, um einen Verletzten notdürftig zu verarzten. Früher waren Barbiere für das Behandeln verletzter Leute zuständig, bis die professionelle Medizin sie ablöste. Auf der Mondinsel allerdings gab es nur wenige Ärzte, und die, die es waren, nutzen ihre Patienten schamlos aus. So hatte sich der Besitzer dieses Salon dazu entschieden, mit seinen bescheidenen Fähigkeiten der Menschheit zu helfen und die Verwundeten gegen ein winziges Entgelt zu behandeln, was ihm allerdings viele Feinde auf der Insel gemacht hat. Der Salon übrigens, unweit des Hafens von Dark, gehörte vorher einem alten Mann, der dem jetzigen Besitzer alles lehrte. Zum Namen des Mannes, der bis jetzt unerwähnt blieb, er hieß Hyde. Alice Hyde. Er selbst nannte sich jedoch stets Chuck, nicht etwa weil er sich wegen seinem Frauennamen schämte, nein, der Name „Chuck“ hatte andere Gründe aber dazu später mehr.So war das also, ein Mann mit Frauennamen, augenscheinlich ein Barbier und seltsamer Vogel, der vor seinem Salon saß und eine Tasse Tee trank, allerdings die dazugehörigen Stückchen nicht verspeiste. Fast schon normal sollte man annehmen, bis man sich die Gegen etwas genauer anschaute. Genau! Das hier war die Mondinsel, genauer gesagt Dark, einer der schmutzigsten und kriminellsten Fleckchen Erde im gesamten North Blue. Das ein Mann hier unbehelligt Tee trank war alles andere als normal aber wer sagt schon, dass dieser Barbier normal ist.
    Ein lauter Hilfeschrei riss den lesenden Mann aus seiner Beschäftigung. Sein Blick richtete sich gen Hafen, die Augen etwas zusammengekniffen um besser zu sehen. Ein Schiff hatte angelegt, eins, das sehr ungewöhnlich für Dark war. Es gehörte nicht zu den unzähligen Gangsterschaluppen, die wendig und schnell im brackigen Wasser herumkurvten und es gehörte auch keinem Gangsterboss, dazu war es nicht protzig genug. Das konnte nur eins bedeuten: Piraten! (Schließlich gab es keinen Händler, der dumm genug war, hier anzulegen und gekaperte Schiffe wurden sowieso immer versenkt, da man sie nicht brauchte.) Der Hilfeschrei wurde wahrscheinlich von einem der Piraten ausgestoßen, anscheinend der Kapitän. `Was ist das denn für ein Käpt`n, der seine Crew auf eine solche Insel führt?´, fragte sich Alice, als er langsam sein Teezeug zurück in den Laden räumte und sich dann salonfähig anzog. Über die rote Weste wurde eine schwarze Jacke gestreift, passend zu Hose und Hemd und auf den Kopf ein eigenartiger Hut gesetzt, halb Zylinder, halb Schlapphut. Mit leicht wankendem Schritt brach der Barbier Richtung Hafen auf, in der Tasche das Gewicht zwei seiner geliebten Messer. Wenn einer von diesen Piraten überleben sollte, brauchte er vielleicht eine Rasur oder einen neuen Haarschnitt. `Vielleicht braucht er auch ein Toupet, um seinen blanken Skalp zu bedecken.´, sagte sich Alice, als ihm die Methoden und Macken mancher Gauner in Dark in den Sinn kam.