Das alte Theater am Hafen

Dieses Thema im Forum "Königreich Lvneel" wurde erstellt von Livy, 19. Mai 2009.

  1. Livy

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    Das kleine Schauspielhaus in der Nähe des Hafens war einst der ganze Stolz eines erfolgreichen Händlers. Einige der berühmtesten Künstler des gesamten North Blue unterhielten hier die Bürger des Königreichs mit ihren mannigfaltigen Talenten.
    Nach dem Tode des Mäzens ging das Gebäude in den Besitz seines Sohnes über, der sich jedoch mehr um wirkliche Geschäfte kümmerte als um die Instandhaltung eines baufälligen Gebäudes, das noch dazu an die Ausläufer des schmutzigeren Teils des Hafen grenzte. Der heutige Eigentümer ist nicht bekannt, allerdings heißt es dass jeder, der das Haus ohne Erlaubnis betritt, nie wieder auftaucht.

    Von: Die Hafenkneipe "Wild Cherry"
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Aug. 2009
  2. Ihr Verfolger wurde von Shien persönlich zur Strecke gebracht – genau genommen fiel er der Länge nach auf den Boden… was für ein herrliches Schauspiel. Jennifer verbeugte sich dankend vor dem Weißhaarigen, ehe sie den Kampfplatz begutachtete. "Erzittert vor der Macht des schwarzen Shien! Sechs Leute verdanken ihm eine Niederlage! Hyayayayayayayaya!!!", hörte sie den Kapitän protzen, doch anstatt sich aufgrund des ihr zustehenden Ruhmes zu beschweren schmunzelte sie lediglich. Sie hatte nie viel davon gehalten sich mit Ruhm zu bekleckern… „Rum bringts da schon eher“, dachte sie und grinste, ehe sie ihr Gesicht vor Schmerz verzerrte. Ihr Blick fiel auf die schmerzende Wunde an ihrem Oberarm und sie ging langsamen Schrittes zu Shien hinüber, denn auf diesen ging soeben ein älterer Mann mit ergrautem Haar zu. Während Jenny die Wunde mit einem Streifen Stoff verband, den sie soeben vom Hemd eines der verunstalteten Matrosen abgerissen hatte, sah sie diese Erscheinung überrascht an. "Bravo! Bravo! Barvissimo!". „Sagt, Sir“, murmelte sie zu Shien… „Habtihr diesen Herrn engagiert?“. Natürlich war das ein Witz, doch schien es ihr purer Ernst zu sein. Neben dem Weißhaarigen blieb sie mit Skepsis im Blick stehen, während der Neuankömmling Shien bewundernd ansah und ebenso von ihm sprach. „Ja ne is klar“, stellte Jenny fest und sah den offenbar gestörten Mann verwirrt an. Sie wollte gerade die Stimme erheben, um etwas zu sagen, da umbrach sie der werte Herr Spülberg erneut – und Jennifer lächelte nur still. Offenbar sah der Herr sie gar nicht, denn er sah gezielt an ihr vorbei und begutachtete die gefallenen Matrosen anstatt sich um jemand anderen als Shien zu kümmern. „Laien?“, fragte sich Jennifer und musste lachen. Der Typ war einfach nicht ernst zu nehmen… nein.

    "Ihr seid natürlich auch eingeladen. Ich will euch schließlich nicht der Chance berauben, Zeit mit diesem Ausnahmetalent zu verbringen in der Hoffnung, sein Können würde auf euch abfärben.", was blieb ihr schon anderes übrig? Sie wollte auf dieses verdammt Schiff, zu diesem verdammt(en) (gut aussehenden) Captain… Während Mr. Spülberg ihnen nacheinander zunickte, sah Jennifer ihn konzentriert an. Grundsätzlich machte sich Jennifer gerne selbst ein Bild von Leuten und den Charakter dieses Menschen hätte sie niemals verstehen können – würde er nicht jetzt und hier vor ihr stehen. Doch Jennifer hielt es für das Beste, distanziert zu bleiben, also trat sie ein wenig hinter Shien…
    Als sich die zwei in Bewegung setzten folgte sie ihnen leise und unauffällig. Ob sie da war oder nicht machte keinen Unterschied, denn sie schwieg und war nicht mehr als wandelnde Dekoration… Doch ihr Blick war nicht freudestrahlend oder aufgeregt… er war skeptisch und Jenny wirkte alles andere als naiv.
     
  3. Anglachel kam gerade zu Shien, Jennifer und dem am Boden liegenden Musikanten. "Der hat ja gar keine Kampferfahrung.", grummelte Anglachel. Er schleifte den Matrosen hinter sich her und ließ ihn los, als er auf einer Höhe mit seinen Kumpanen lag. Dann ging Anglachel wieder in die Kneipe und holte seine Sachen.

    Als er wieder auf der Straße war, wurde Shien gerade von einem Herrn Spülberg angesprochen. Anglachel lehnte sich gegen den Türrahmen und wischte sich das Blut aus dem Gesicht. Wie der Vorschlag kam, den Herrn zu bgleiten antwortete Anglachel kurz und knapp:"Ja ich würde mich jetzt zumindest gerne etwas waschen.".
    Er stubste den am Boden liegenden Musiker an. Keine Regung. "Na toll, jetzt darf ich ihn auch noch tragen.", dachte sich Anglachel und hob den regungslosen Körper hoch. Als dieser sicher auf seiner Schulter lag, nahm er das Gepäck des Mannes, seine Geige und seinen eigenen Werkzeugkasten in die andere Hand.

    Als sie schließlich vor dem alten Theatergebäude ankamen, musterte Anglachel zuerst das Gebäude und dann den Besitzer sorgfältig. "Warum habe ich noch nie etwas von diesem Herrn Spülberg gehört?", fragte er sich und verzog keine Miene.
    Der Musiker hat auf halbem Wege sein Bewusstsein wiedererlangt und sah sich nun ebenfalls ewas benommen um.
    Mit dem angeschlagenen Mann auf der einen Seite und dem Gepäck und der Geige auf der anderen, stand Anglachel etwas hinter den anderen Dreien.
     
  4. Livy

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    Mit großen Schritten folgte Shien dem gedrungenen Spülberg, der die kleine Gruppe anführte und durch diese und jene Strasse lozte. Auf seine drei kameraden achtete der Schauspieler dabei kaum, viel zu interessant war dafür einfach die Möglichkeit, sich mit dem kleinen Kerlchen zu unterhalten, dass doch tatsächlich seinen Namen kannte! Mit einem Lächeln fragte er deshalb den Mann:
    "Nun, Herr Spülberg, nicht dass es mich verwundern würde dass ihre bereits von mir gehört habt, aber... wo habt ihr denn schon einmal von mir gehört?!"
    Spülberg kicherte. "Wer kennt den talentierten Shien denn nicht? Ihr seid einer der berühmtesten und beliebtesten Schauspieler des gesamten North Blue!"
    Shien blieb der Atem weg. *Berühmt UND beliebt...?* Sofort formte sich vor seinem inneren Auge das Bild einer riesigen Horde (vornehmlich junger, weiblicher) Fans, die ihn, Shien, auf den Händen trugen und laut brüllten: "Lang lebe Shien, König aller Schauspieler und Piraten!!!"
    Shiens Lächeln verzog sich zu einem sehnsüchtigen, leicht dümmlichen Grinsen. "W-w-w-w-wirklich? Äh, ich meine natürlich: Ja, wirklich, und wie!"
    "Jaja, Selbstverständlich! Eure Vorführungen waren allesamt hervorragend!"
    "Mein ihr das ernst? Die Kritiken aller Zeitungen des gesamten North Blue waren da anderer Meinung..."
    "Meine Güte, diese Hohlköpfe haben doch keine Ahnung, was wahre Kunst ist, hab ich nicht recht?"
    Shien nickte eifrig. "Natürlich, natürlich!" Er räusperte sich kurz, bevor er fortfuhr: "Welche meiner Aufführungen hat euch den am besten gefallen?"
    Als Antwort erhielt der Kapitän der Kabuki-Piraten lediglich ein nervöses Kichern. "Äh, nun, ähm... ich konnte leider keine eurer Aufführungen persönlich beiwohnen, deshalb..." "Aber ihr habt doch die Kritiken gelesen, richtig?""Nun, ja, aber... ähm..." "Nun sagt schon, welches war eure liebstes Stück?" "Äh, äh... d-das... d-d-das erste...?"
    Shien klopfte dem kleinen Spülberg auf die Schulter. "Ah, ich wusste es! Diue Kirschblüten von Logue Town also... ja, wahrlich ein Meisterstück! Die Aufführung war einfach wunderbar, die Stimmung hervorragend... das Publikum war begeistert, begeistert, sage ich euch! Ich kann euch da Geschichten erzählen! Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, als..."
    "Wir sind da!!"
    Abrupt unterbrochen von der Anmerkung des kleinen Mannes blickte Shien nach vorn, und seine Augen taxierten das große Gebäude. Errichtet aus solidem Stein war das "Haus" ein beeindruckendes Gebilde mit einer sonderbaren Architektur und einem ganz eigenen Charme. Mit glitzernden Augen wandte sich Shien Herrn Spülberg zu."HIER werden wir übernachten? Das ist euer Zuhause?" "Ja, das ist mein bescheidenes Zuhause... ich hoffe, es gefällt euch! Sicher ist es nicht so gemütlich wie eure eigene Villa, aber ich glaube trotzdem, dass ihr sehr lange hier bleiben werdet... hehehe..."
    Überwältigt von der Aussicht, in so einem formidablen Haus zu übernachten stapfte Shien dem kleinen Spülberg verträumt hinterher. Seine Kameraden würden schon nachkommen...

    Die Türen schwangen widerstandslos auf, als Steffen dagegendrückte, und vor der fünfköpfigen Gruppe breitete sich ein reich verzierter Korridor aus. Der Boden war mit einem weinroten Teppich ausgelegt, die Wände besaßen einenw armen, cremefarbenen Ton, und die Decke war mit dunklem Holz getäfelt. Bewundernd blickte sich Shien um und bemerkte dabei die seltsamen Tafeln an der Wand, die verschiedene Werbeplakate für Theaterstücke zeigten. All diese Plakate schienen sehr alt zu sein, die Ränder waren zerrissen, das Papier vergilbt. Dabei strahlten sie jedoch etwas ungeheuer... nostalgisches aus, und vermittelten den Eindruck, als wäre man mit Betreten des Hauses in der Zeit zurückgereist.
    "Herr Spülberg?"
    Der kleine Mann lief unbeirrt weiter, antwortete jedoch mit einem knappen "Ja?".
    "Wie kommt es, dass hier so viele Plakata für irgendwelche Schauspielaufführungen hängen? "Roberta und Julian" zum Beispiel... von einer Aufführung dieses Stückes in Lvneel habe ich noch nie etwas gehört."
    Spülberg zuckte mit den Achseln. "Das wundert mich nicht. Das Theater gehörte meinem Groß-... einem Bekannten meines Großvaters. Dieser war ein wahrer Theaterfan und errichtete deshalb dieses kleine Schauspielhaus am Rande des Hafens. Es traten zwar einige sehr berühmte Leute hier auf - Leona di Cabrio zum Beispiel feierte hier ihr Debüt - allerdings erging es diesem Theater hier wie vielen anderen auch in letzter Zeit: es fanden sich irgendwann keine Geldgeber mehr und das Theater musste schließen. Die Menschen interessieren sich nunmal nicht mehr so sehr für die Schauspielerei." Murmelnd fügte er hinzu: "Und wer will es ihnen verübeln..."
    "Haben sie etwas gesagt?" "Nein, nein, nein, gar nichts, sie müssen sich verhört haben!"
    An einer t-förmigen Kreuzung blieb Spülberg schließlich stehen, direkt vor einer breiten Doppeltür, ebenfalls aus dunklem Holz. Der Hausherr drehte sich zu seinen Gästen (naja, zu seinem Gast, die anderen beachtete er kaum) um und sagte: "Ihr müsst sehr müde sein, doch... wenn ich euch um einen Gefallen bitten dürfte... ich möchte euch nur einmal auf einer richtigen Bühne sehen, deshalb..." Unvermittelt stieß er eine der beiden Türen auf, und zum Vroschein kam ein waschechter Theatersaal...
    "Unglaublich, sieh sich das einer an!!" Sofort rannte Shien in den Raum hinein und schaute sich mit großen Augen um. "Tatsächlich, eine echte Bühne...! Und das mitten im Nirgendwo!"

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    Zuletzt bearbeitet: 21. Mai 2009
  5. Sona

    Sona Guest

    Als Sona zu sich kam, bemerkte er, dass er sich bewegte, von irgendjemandem getragen. Sein schwerer Kopf wanderte umher und entdeckte vor ihm eine prunkvolle Eingangshalle, dessen Boden mit Wein beträufelt schien. Wo zum Teufel…? Die ausgeruhten aber matten Augen folgten dem Weg und machten vor ihm den Weißhaarigen aus, dessen Namen er noch immer nicht kannte. Neben ihm eine lustige, alte Gestalt – beide in ein Gespräch verwickelt, in dem der Alte phlegmatischer wirkte, als seine eigenen Worte verkündeten: Das wundert mich nicht. Das Theater gehörte meinem Groß-... einem Bekannten meines Großvaters. Dieser war ein wahrer Theaterfan und errichtete deshalb dieses kleine Schauspielhaus am Rande des Hafens. Es traten zwar einige sehr berühmte Leute hier auf - Leona di Cabrio zum Beispiel feierte hier ihr Debüt - allerdings erging es diesem Theater hier wie vielen anderen auch in letzter Zeit: es fanden sich irgendwann keine Geldgeber mehr und das Theater musste schließen. Die Menschen interessieren sich nunmal nicht mehr so sehr für die Schauspielerei.
    Groteske und alte Scheinhelle. Oft verkannt mit Weisheit. Das erkennt man sofort. Wo bin ich überhaupt?
    Er spähte umher und erkannte die Gefolgsleute des Weißhaarigen wieder, der eine mit dem schwarzen Mantel, der ihn wahrscheinlich trug, und die grünhaarige Luft, die skeptisch dreinblickte. Dann bin ich also nicht der Einzige, der hier noch mehr, nein, der hier noch weniger sieht, als das Auge.
    Als er die kaputte Geige auf der anderen Seite des Schwarzmantels wahrnahm, durchschoss es ihn mit Trauer und Freude. Das heißt wohl reparieren. Und das heißt wohl auch Dummheit. Einem wildfremden meine Geige zuzuwerfen – was hat den Reiter geritten? Die Ekstase! Die äußerliche Ekstase! Mein Gott, so ausgekehrt gab ich mich länger nicht preis… Und doch! Nicht nur Ekstase, sondern auch Gefühl spielte eine Rolle – und gerade das darf ich als Musiker, der auf jenes angewiesen ist, nicht verweisen! Das Meer stürmt erfreulich stark. Mein Leben beginnt zu segeln.
    Er wurde in seinen Gedanken durch ein leichtes Grummeln in seinem Magen abgelenkt – wie lange wurde er schon getragen? Sein Magen verriet ihm: viel zu lange. Den Schwarzmantel aus seiner Position leicht ungelenk anblickend, meinte er daraufhin: Danke für die Tragerei! Kannst du mich dennoch jetzt runterlassen? Ach, und die Überreste des Instrumentes möchte ich bitte auch selber tragen. Er konnte nur schwerlich verhindern, einen leicht hektischen Unterton in seine Stimme zu mischen. Viel zu wichtig war es ihm, seine Geige wieder in der Nähe zu spüren – egal, ob ihre Einzelteile oder die Ganze.
     
  6. Für gewöhnlich stand Jennifer nicht gerne im Schatten anderer – doch in diesem Moment war es ganz passend, dass die gut zwanzig Zentimeter mehr Körpergröße des Kapitäns Jenny verstecken konnte, ohne dass sich diese großartig anstrengen musste. Sie besaß ein Talent dafür unauffällig zu bleiben, das war offensichtlich. Und das hing nicht nur mit ihrer Teufelsfruchtkraft zusammen, nein, im Gegenteil. Im Prinzip unterstützte die Fähigkeit sich unsichtbar machen zu können nur noch die Tatsache, dass sie gerne im Hintergrund blieb. Doch auch wenn sie so distanziert wie nur irgend möglich blieb, was sie eigentlich gar nicht hätte tun brauchen, denn Sir Spülberg ignorierte sie gekonnt, hörte sie jedes einzelne Wort mit, das die beiden wechselten. "Nun, Herr Spülberg, nicht dass es mich verwundern würde dass ihre bereits von mir gehört habt, aber... wo habt ihr denn schon einmal von mir gehört?!"
    Spülberg kicherte.
    "Wer kennt den talentierten Shien denn nicht? Ihr seid einer der berühmtesten und beliebtesten Schauspieler des gesamten North Blue!", Jennifer verengte die Augen zu Schlitzen. Sie war seit Jahren auf dem North Blue unterwegs, kannte nahezu jede Insel in diesen Gewässern, war überall und nirgends bereits gewesen und hatte den ach so berühmten Shien nur ein einziges Mal gesehen. Die Kirschblüten von Logue Town waren es gewesen, die sie gesehen hatte, doch das war viele Jahre her, damals war sie noch ein Kind gewesen… und ganz ehrlich? Sie hatte es scheußlich und völlig abstrakt, sowie übertrieben gefunden. Jenny verzog eine Miene, die jedoch einen Moment darauf gleich wieder ins Überraschte wechselte. Spülberg reagierte anders auf Shiens Fragen, als sie angenommen hatte. Jennifer hob eine Augenbraue, auch wenn vermutlich niemand das sehen würde, dann runzelte sie die Stirn. Und mittlerweile war sie beinahe der festen Überzeugung, dass dieser Herr Spülberg ein schrecklicher Schauspieler war. "HIER werden wir übernachten? Das ist euer Zuhause?", schrie der Captain plötzlich auf und Jenny zuckte zusammen, als wäre sie vom Blitz getroffen worden. Als Sir Talentfrei bejahte stapfte der Kapitän voraus, nicht mehr auf seine Anhängsel achtend… Jenny missfiel das ganz und gar, immerhin suchte ER hier eine Crew, und nicht sie. Doch sie würde hartnäckig bleiben. Auf jeden Fall!


    Als die Türen widerstandslos aufschwangen betraten die fünf einen grandios verzierten Korridor, der Jennifer in Staunen versetzte. Als niemand hinsah machte sie sich rasch unsichtbar, um auf eigene Faust erkunden zu können. Jenny besah sich zunächst nur den weinroten Teppich und die cremefarbenen Wände, dann wandte sie den Blick zur hölzernen Decke… und irgendwann fiel ihr Blick auf die Plakate. Im Gegensatz zu den anderen trat sie nah an die Plakate dran, las die Aufschriften und bemerkte, dass sie nach Jahreszahlen geordnet waren. „Oha, das war vor 34 Jahren“, stellte Jennifer fest und staunte. Als sie den Gang weiter hinunter schritten wurden die Zahlen immer größer. „35, 36… ich glaub das nicht“, dachte sie kopfschüttelnd. Offenbar wurde seit einiger Zeit hier nicht mehr gespielt. Woran das lag vermochte Jennifer sich nicht zu erklären, deshalb hoffte sie auf eine Erklärung seitens ihres Anführers.

    Zeitreise?“, fragte sich Jenny und ihr fielen beinahe die Augen heraus, als sie an eine Kreuzung kamen. Genau in diesem Augenblick machte sie sich wieder sichtbar und kaum einem würde aufgefallen sein, dass sie einige Minuten lang wie vom Erdboden verschluckt gewesen war. Sie verstand sich darauf unauffällig zu verschwinden, da sie ohnehin nie bemerkt wurde, ob sie nun da war oder nicht. "Das wundert mich nicht. Das Theater gehörte meinem Groß-... einem Bekannten meines Großvaters. Dieser war ein wahrer Theaterfan und errichtete deshalb dieses kleine Schauspielhaus am Rande des Hafens. Es traten zwar einige sehr berühmte Leute hier auf - Leona di Cabrio zum Beispiel feierte hier ihr Debüt - allerdings erging es diesem Theater hier wie vielen anderen auch in letzter Zeit: es fanden sich irgendwann keine Geldgeber mehr und das Theater musste schließen. Die Menschen interessieren sich nunmal nicht mehr so sehr für die Schauspielerei.", hörte sie Spülberg sagen, denn sie ging direkt hinter ihm. Daher entgingen ihr auch die murmelnden Worte nicht: "Und wer will es ihnen verübeln...", was noch mehr Stirnrunzeln bei der jungen Black verursachte. Ganz im Gegensatz zu Shien offenbar, der viel zu konzentriert schien, um irgendetwas zu bemerken. "Unglaublich, sieh sich das einer an!! Tatsächlich, eine echte Bühne...! Und das mitten im Nirgendwo!" – sagte Shien und rannte los. Doch er war nicht der einzige. Als sie den Theatersaal betraten war er nicht mehr zu halten. Ihr müsst sehr müde sein, doch... wenn ich euch um einen Gefallen bitten dürfte... ich möchte euch nur einmal auf einer richtigen Bühne sehen, deshalb...", allmählich wurde Jenny schlecht, der Typ tickte nicht ganz sauber. Sie wusste nicht, was er vorhatte, doch schien es ihr nichts sonderlich Gutes zu sein. Vor Shien betrat sie die Bühne, denn sie sprang mit unglaublicher Eleganz auf den Bühnenrand und stemmte sich dann hinauf. Und jeder, der dort unten stand und Shien sah, wusste dass er dorthin gehörte. Und jeder, der die junge Black sah würde vermutlich das Gleiche behaupten.

    Wie als hätten sie tatsächlich eine Zeitreise gemacht, verbeugte sich Jennifer vor dem Kapitän und reichte ihm die Hand, wie eine Dame es tun würde. „Sir“, sagte sie lächelnd und verstellte die Stimme so, das sie mit dem passenden Kleid tatsächlich wie eine Lady hätte wirken können…
     
  7. Anglachel lies den nun wieder einigermaßen erholten Musiker herab. Vorsichtig setzte er ihn auf den Boden, aus Angst er könnte noch Nachwirkungen des tollpatschigen Angriffs zeigen. Als der geiger festen Boden unter den Füßen hatte, gab Anglachel ihm sein lädiertes Instrument zurück. "Wenn du willst kann ich sie dir reparieren, allerdings nur den Rahmen", sagte Anglachel zum Musikanten,"Stimmen und neue Saiten auflegen musst du selbst machen.". Dann folgten die beiden Shien und den alten Theaterbesitzer in die, wie Anglachel fand, alte Baracke die ehemals ein Theater war.
    Die Inneneinrichtung stand in keinem Vergleich zur Fasade. "Naja etwas staubig, aber immer noch besser als die Hülle.", dachte sich Anglachel und betrachtete einige der alten Aufführzngsplakate, "Die sind ja alle doppelt so alt wie ich! Warum steht das Haus denn noch, wenn es keine Auftritte mehr gibt? Normalerweise werden solche nutzlosen Gemäuer abgerissen.".
    Kaum waren sie innerhalb des Gebäudes gewesen, verschwand Jennifer auch sofort. Anglachel, der sich mittlerweile nur noch fragte, wie sie das schaffte, kümmerte sich gar nicht weiter darum und folgte den beiden anderen mit dem Musikanten. Die junge Dame aus der Familie Black würde schon alleine klar kommen und wieder auftauchen, zur gegeben Zeit.
    Eher desinteressiert folgte er dem Gespräch des vermeintlichen Piratenkapitäns und des Herrn Spülbergs. Als der Letztere sich verhaspelte beim Baudatum des Theaters, musterte Anglachel diesen aufmerksam. Auch das er angeblich Shien von seinen Auftritten kannte, sich dennoch so nervös und eingeschüchter verhielt, als er seinen Favoriten nennen sollte, kam Anglachel sehr kurios vor.
    "Besser ich behalte ihn im Auge, Shien scheint ja zu sehr von ihm eingenommen zu sein um klar zu denken. Dabei werde ich ihn noch brauchen.", nahm sich Anglachel vor und setzte sich auf einen der Stühle, die in Massen im Foyer rumstanden. Dann sah er , wie sich Kuroi Shien schnurrstracks zur Bühne bewegte und auf die Tribüne sprang. Direkt hinterher die junge Black.
    "Also dann, genießen wie den kommenden Akt."
     
  8. Livy

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    Der Innenraum des kleinen Theaters war einfach atemberaubend. Für einen Schauspieler, der schon die großen Bühnen dieser Welt besucht hatte, mochte der Saal wahrscheinlich nicht mehr als ein heruntergekommener Schuppen sein. Doch für Shien, der bisher nur auf den eigenen Brettern, die die Welt bedeuten, aufgetreten war, war allein die Tatsache, dass er nun auf einer völlig fremden Insel von einem edlen Herren gebeten wurde, auf diese selbige Bühne zu steigen, einfach nur berrauschend. *Er hat mich tatsächlich gebeten... wow... meine Güte, ich bin wirklich beliebt...*
    Schwärmend tänzelte Shien hinüber zum Rand der Bühne, wo die kleine Black ihm bereits eine Hand entgegenstreckte, um ihm hochzuhelfen. "Sir", sagte sie mit einem Lächeln, und Shien ergriff grinsend ihre Hand. "Mylady." Vorsichtig setzte er einen Fuß auf den Rand der Bühne und stemmte sich allein mit den Beinen nach oben, um auch ja nicht an der zarten Hand seiner netten Begleitung zu zerren. Als er dann oben stand, blickte er sich in dem kleinen Saal noch einmal um. Ihr ehemaliger Führer, der junge Mann mit den dunklen Haaren, hatte es sich auf einem der Sitzplätze gemütlich gemacht und beobachtete Shien und Jen erwartungsvoll. In letzter Zeit hatte er kaum mehr gesprochen - oder vielleicht hatte es Shien einfach nicht bemerkt? - dennoch verspührte der frischgebackene Piratenkapitän eine seltsame Zuneigung für den Mann. *Er kann kämpfen, ist nicht aufdringlich, und so wie er da sitzt scheint er wirklich an Kunst interessiert zu sein... und das bei einem so jungen Menschen, vorzüglich!* Shien nickte ihm kurz lächelnd zu, dann schweifte sein Blick weiter zu dem Musikus, den er seit ihrem Beisammensein in der "wilden Kirsche" kaum mehr beachtet hatte. *Ein Fehler, ein großer Fehler... dieser Kerl erscheint mir genauso freundlich zu sein, und falls man ihn tatsächlich dazu überreden könnte auf der Dragon anzuheuern wäre das einfach nur famos.* Mit einem leicht unzufriedenen Blick musterte der Musiker gerade seine (aus welchen Gründen auch immer) zertrümmerte Geige und stand direkt neben der Sitzreihe, in der es sich der andere junge Mann gemütlich gemacht hatte. Auch ihm nickte er kurz zu, bevor er sich seiner grünhaarigen begleiterin zuwandte. Ihr Lächeln war einfach zauberhaft, und all ihre Bewegungen ließen auf unglaubliche Grazie und Körperbeherrschung schließen. *Außerdem scheint sie ein überraschendes Talent dafür zu besitzen, zu verschwinden...*
    Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck stemmte Shien die Hände in die Hüften und ließ seine Stimme durch den Raum donnern. "Und nun, meine Damen...", er deutete eine knappe Verbeugung in Richtung Jennifer an, "...und meine Herren! Ich darf sie herzlich zu der Uraufführung von... hmm, von was eigentlich?" Fragend blickte Shien in die Runde. Das Improvisieren lag ihm zwar genauso im Blut wie das Spielen nach einem festen Stück, dennoch wollte er, sollte das Publikum einen Wunsch haben, unbedingt auf diesen eingehen. "Was würdet ihr denn gerne sehen? Habt ihr einen bestimmten Wunsch? Herr Spülberg, was ist mit ihnen?" Shien ließ seinen Blick noch einmal durch den raum schwiefen, dann nochmal und nochmal, doch die gedrungene Gestalt Spülbergs war nirgendwo zu entdecken. "Herr Spülberg, wo sind sie?"

    In diesem Moment ertönte jenseits der großen Flügeltüre, durch die die Gruppe den Theatersaal betreten hatte, ein lautes Krachen. *Was...?*
    *klapp*
    Völlig unvermittelt klappte unter Jennifer und Shien die Bühne auf und ließ sie hilflos in der Luft hängend zurück. Der Fall dauerte nicht lange, es waren vielleicht zwei oder drei Meter, dennoch war er unheimlich schmerzhaft. Shien landete "behände" auf seinem Hintern, stand, nachdem der erste Schock überwunden war, auf, und blickte nach oben. *Was soll das denn jetzt? Solche Tricks sind ja schön und gut, aber dem Hauptdarsteller nichts davon zu sagen ist einfach schändlich!!* Ein paar Meter über sich erkannte Shien das zwei mal zwei Meter große, quadratische Loch, durch dass er und Jennifer gerade gefallen waren, jenseits davon lag noch immer unberührt der Rest der Bühne. Apropos Begleitung... Hastig drehte er sich zur Seite und suchte den Boden nach der jungen Black ab. "Miss, ist ihnen etwas passiert? Haben sie sich verletzt? Wo sind sie?" Um ihn herum war es bis auf die kleine Stelle, auf die durch das Loch in der Decke Licht fiel, stockfinster.
    Ein lautes Knacken ertönte, und durch mehrere Lautsprecher, die in dem Theater angebracht waren, drang das verzerrte, kehlige Lachen Spülbergs. "Hahahahahahaha, HAHAHAHAHA! Dass es so leicht wird hätte ich nicht gedacht! Ich hätte nie geglaubt, dass du tatsächlich so naiv sein würdest, hätte ich es nicht selbst miterlebt!" Shien straffte sich. Naiv? Er konnte doch nicht ihn meinen! ...oder? Mit grimmiger Miene schrie der Schwarze laut: "Spülberg! Was soll das?! Was ist das für ihn jämmerliches Possenspiel?!" Offenbar hörte der Zwerg seinen Gefangenen jedoch nicht, denn seine Stimme fuhr unvermittelt fort: "Alle haben sie mir gesagt du seist ein Idiot, einer dieser lächerlichen 'künstlerischen Freigeister'... aber das war wirklich viel, viel zu einfach. Selbst diese Witzfiguren, die dich begleitet haben, Kagayaki Shien, haben nichts bemerkt! Was für eine dämliche Bande!"
    Shien merkte auf. *Kagayaki... Shien?* Erneut ertönte das schiefe Lachen des Betrügers. "Wieviel das ach so reiche Ehepaar Kagayaki wohl für das Leben seines einzigen Kindes hinblättern wird? 100.000 Berry? 500.000 Berry? 2.000.000 Berry? Oder werden es am Ende doch runde 100 Millionen? Hahahahahahahaha! So viel Geld für einen Waschlappen wie dich, das ist wirklich witzig!" Shiens Hände ballten sich zu Fäusten. *Er will also meine Eltern erpressen... mit mir...* Noch einmal versuchte er die Ohren seines Entführers zu erreichen: "Spülberg! Hören sie zu! Sie werden niemals damit durchkommen! Oder glauben sie ernsthaft, dass meine Eltern auch nur einen müden Berry für mich locker machen würden?"
    Tatsächlich bezweifelte Shien, dass seine Eltern Geld für seine Freiheit zahlen würden. So selten wie sie ihn in den vergangenen Jahren besucht hatten war es sogar möglich, dass sie schon komplett den kleinen Jungen vergessen hatten, der seine ganze Kindheit lang nur einen Wunsch hatte: Vons einen Eltern geliebt und beachtet zu werden.
    Spülberg hörte allerdings noch immer nichts. "Es tut mir nur Leid um deine kleinen Anhängsel... sitzen wie Ratten in der Falle, und das nur, weil sie einem Irren gefolgt sind. Wo wir gerade bei der Falle sind: Versucht nicht, zu fliehen, verstanden? Die Flügeltür ist mit einem soliden Eisenbalken verriegelt, die werdet ihr selbst zu viert nicht aufbekommen. Ihr könntet natürlich versuchen, die Tür unten im Keller aufzubekommen, die ist lediglich mit einem festen Eisenschloss abgesperrt... allerdings werdet ihr euch dann mit Sicherheit in den labyrinthartigen Korridoren verlaufen, und ich habe ehrlich gesagt keine Lust, eure verhungerten Leichen dort unten raus schaffen zu müssen!"

    Erneut erönte ein Knacken und Spülbergs Stimme erstarb. Kein einziger Lau drang mehr durch die Lautsprecher. Shien, schwankend zwischen Trauer und Wut, Verzweiflung und Tatendrang, ließ sich auf die Knie sinken. *Wer hätte gedacht, dass meine Karriere als Piratenkapitän schon heute zu Ende gehen würde...*
     
  9. "Mylady.", sagte Shien und nahm ihre Hand, stemmte sich jedoch ganz Gentleman-Like aus eigener Kraft auf die Bühne. Während sie weiterhin lächelte, wandte sich Shien an das mickrige Publikum. Wahrhaft, für die paar Leute zu spielen war nicht das Atemberaubenste, aber diese Bühne machte das alles wett. "Und nun, meine Damen...", er deutete eine knappe Verbeugung in Richtung Jennifer an, "...und meine Herren! Ich darf sie herzlich zu der Uraufführung von... hmm, von was eigentlich?" Während Shien fragend in die Runde blickte, sah Jenny ihn aus dem Augenwinkel heraus an. Wahrhaftig, seine donnernde Stimme ließ einiges an Erfahrung vermuten und zugegeben, sie war beim Klang der lauten Worte zunächst kaum merklich zusammen gezuckt. Offenbar hatte er tatsächlich Talent. Doch dann sah sie erneut ins Publikum – und bemerkte, dass sie nicht die einzige war, die das Talent des Verschwindens zu besitzen schien. Was würdet ihr denn gerne sehen? Habt ihr einen bestimmten Wunsch? Herr Spülberg, was ist mit ihnen?", und in diesem Moment wurde Jenny klar, dass dieser …

    *klapp*

    „Och nööö“, war Jennys erster Gedanke und wie eine Katze gelang es ihr, sich auf dem Boden mit ihren Händen abzufangen und nicht so unglaublich graziös auf dem Hintern zu landen wie Shien. Es war stockfinster um sie herum und Jennifer konnte nicht mal die eigene Hand vor Augen sehen. Als Shien sich plötzlich nach ihr erkundigte, gab sie zerknirscht Antwort: „Alles in Ordnung“, dann tastete sie mit den Händen vorsichtig nach Shien und ertastete irgendwann seinen Arm. „Ich bin hier…“, sagte sie und wirkte ein klein wenig weggetreten, da sie angestrengt nachdachte, wie sie hier wieder rauskommen sollten, als sie auch schon die alberne Lache Spülbergs hörte. Während Shien sich lauthals beschwerte, redete Spülberg weiter und Jenny dachte angestrengt nach. Dem Tonfall Shiens nach zu schließen würden seine Eltern die Anforderung Spülbergs wohl nie akzeptieren und auch wenn Shien es vermutlich nicht sehen würde, sah Jenny ihn mitleidig an. „Der Arme…“, dachte sie, denn sie hatte immer Eltern gehabt, die sie unterstützen. Als Spülberg irgendwann verstummte, kicherte Jenny leise. „Wenn der wüsste, wie viel er mit mir verdienen würde… dann säßen wir vermutlich in einer eisenbeschlagenen Kiste mit 34 Schlössen…“, meinte sie trocken und stand auf, klopfte sich den Dreck von der Hose, der dort vermutlich war und untersuchte den Untergrund. Holz. Eindeutig Holz. Staubiges Holz, denn Jenny musste niesen und rieb sich die brennenden Augen. In Wahrheit hatte sie gigantische Angst und ihre Klaustrophobie machte sich bemerkbar. „Verdammt wir müssen hier raus…“, sagte sie entnervt und rang nach Luft, während es für sie so aussah, als würde die Decke immer näher kommen. „Eine Panikattacke, herrlich“, dachte sie und verlor die Selbstbeherrschung Stück für Stück. Ihre Hände tasteten wieder nach Shien und sie spürte, dass dieser auf die Knie gesunken war. „Ruhig Jenny“, beschwor sie sich und atmete tief und zitternd durch. „Captain? Der Shien, von dem ich gehört habe, gibt nicht so leicht auf. Dieser Spülberg ist ein Idiot. Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit, wobei ersteres nicht bewiesen ist“, sagte sie und hatte im Kopf bereits einen Plan, doch der würde lediglich dann funktionieren, wenn Spülberg zurückkommen würde. Zunächst jedoch stand sie auf und pfiff einmal verdammt laut durch die Zähne zu dem Loch hinauf, durch das sie gefallen waren. „Hey, du Musikerfritze und der… der andere Kerl da!“, brüllte sie und sah angestrengt hinauf zu dem Loch, das aufgehört hatte immer näher zu kommen. Doch Jenny kämpfte mit einem Gefühl der Übelkeit und das sah man ihr an… gut das es dunkel … und das ihr Magen nach wie vor leer war.
     
  10. Sona

    Sona Guest

    Als Shien darauf bedacht war, der Hand der Grünhaarigen folgend, auf die Bühne zu stolzieren, stand Sona neben dem Schwarzmantel aus der hiesigen Gegend. Es war das erste Mal, seitdem sich ihre Schicksale miteinander zu verwirbeln begonnen hatten, dass ihm der Schwarzmantel, der zudem auch noch schwarze Haare hatte, auffiel. Sein markant männliches Gesicht, seine Statur eines Bauarbeiters, das Herz eines Freundes. Ein Arbeiter, ein Wesen, dessen künstlerische Auffassungsgabe, zumindest nach Sonas eigener Erfahrung, in der Regel spärlich ausfällt, und dessen Denken ihn zu Rationalität zwang, hatte den Musiker mit unerfragter Hilfe und Zuverlässigkeit getragen, ihn, der als Künstler weder etwas von Rationalität verstand noch verstehen wollte. Unverständnis, ehrliche Überraschung und Neugier machte sich in Sona breit. Wie ein Hund, der in seinem Napf das elendig wiederkehrende Hundefutter erwartet, stattdessen aber ein köstliches Kotelett vorfindet.
    Auf diese kurze gedankliche Ausführung in Richtung des Schwarzmantels, drehte Sona seinen Kopf zu den Überresten der Geige. Ein leicht grimmiger Blick setzte sich auf seinem sonst so leeren Gesicht ab. Er hat mir vorgeschlagen, den Rahmen zu reparieren… Das würde die größte Arbeit verkürzen, die ich mit Sicherheit haben würde… wie damals. Er dachte kurz an seine elternlose Zeit in Sumera, die er damals genossen hatte. Jetzt verband er damit nur noch Gedanken an eine wenn auch nicht gleich erkennbare Gefangenschaft. Der Höhlenbewohner wohnt in seiner Dunkelheit, solang er das Licht nicht kennt. Meine Dunkelheit war Sumeras Park, mein Licht das Meer, welches seit meiner Geburt wie ein treues Haustier neben mir her getrottet war, stetig in der Hoffnung, die Aufmerksamkeit zu erhaschen, die es möchte. Lange hat es gewartet, treu und unabdingbar gewartet – jetzt ist meine Zeit gekommen, das Haustier zu schätzen und ihm blindlings zu folgen. Den Rahmen der Geige repariert bekommen? Gern! Was soll es schon heißen, wenn er es macht – Freundschaft könnte es bedeuten. Doch sollte ich vorsichtig sein. Der Glaube an Freundschaft hat mich schließlich vorerst um meine Klänge gebracht.
    Spülberg! Hören sie zu! Sie werden niemals damit durchkommen! Oder glauben sie ernsthaft, dass meine Eltern auch nur einen müden Berry für mich locker machen würden? und Hey, du Musikerfritze und der… der andere Kerl da! waren es, die Sona aus seinen Gedanken rissen. Nicht das Klappen der Tür, nicht die Bestürzung über das Verschwinden Spülbergs, wie er nun unweigerlich bemerkte, nein, der Ausruf des Weißhaarigen, der einer fernen Stimme beteuerte, seine eigenen Eltern würde sich einen Dreck um ihn scheren.
    Beide Schauspieler waren nicht mehr auf der Bühne, stattdessen konnte man ein großes Loch finden, aus dem die beiden Ausrufe ertönten. Sona blickt kurz und viel sagend in die Richtung des Schwarzmantels und fing abermals an gegen seine eigentlichen Prinzipien zu handeln. Ein Arbeiter, der mir hilft, ein Schauspieler, der von schlechten Eltern spricht und eine Grünhaarige, die etwas Irrationales umgibt… Wenn ich die Chance nicht wahrnehmen werde, dann wäre ich kein Künstler!, rechtfertigte er sich selbst, woraufhin er ohne weitere Überlegungen auf den nicht nach unten geöffneten Teil der Bühne stürmte, sich dabei das Knie unter der Lumpenhose gefährlich aufschabte, um letzten Endes in zusammengekauerter Position, das eigene Knie haltend, vor dem Loch zum Stillstand zu kommen und unter schmerzverzerrtem Gesicht dem unbekannten Dunkel zu versichern: Bin hier! Auf mich könnt ihr zählen, wie das Meer auf den Wind! Nichts bringt mich davon ab, euch zu helfen! … Ach Gott, mein Bein…
     
  11. Anglachel schlug gerade seine Kapuze vom Mantel zurück, um die Vorstellung in vollen Zügen genießen zu können. Shien der zu ihm rüber sah und lächelte, schien in eine Art Ekstase geraten zu sein. Wie ein Hund der seine Beute gerochen hatte, fiel der Kapitän über die Bühne her. Zwar hatte Anglachel noch nie selbst ein Theaterstück gesehen, da er nie das Geld dazu besaß, aber dennoch war er sehr leicht von künstlerischen Einlagen und Prägungen begeistert, ob Tanz, Malerei, Baustile oder Schauspielerei.
    "Irgendwie mag ich den komischen Kauz.", dachte sich Anglachel und lächelte breit zurück. Dann begann Shien und fragte bei ihrem Gastgeber nach, welches Stück er gerne sehen wollte. Und in diesem Moment wurde Anglachel eins klar; er, Shien, die junge Black und der Geiger waren allein.
    "Wo ist der Typ?", murmelte Anglachel und sprang auf, um ein größeres Sichtfeld zu erhalten. Im nächsten Moment drang ein Klappgeräusch an sein Ohr und zwei kurze Rufe der Verblüffung, gefolgt von einem dumpfen 'Plump' und einem etwas lauteren 'Aua'. Als sich Anglachel umdrehte, sah er ein großes, quadratisches Loch auf der Bühne.
    Laut und klar drang dann die Stimme von Herrn Spülberg durch den Saal. "Na toll gefangen.", sagte sich Anglachel und rieb sich mit der Hand durchs Gesicht, als er sie wieder senkte, bemerkte er, dass er immer noch leicht blutete. Dann ging er die Wände des Saals entlang und suchte die Quelle der Stimme. Was genau er besprach, war für ihn nur etwas Hintergrundmaterial um Shien besser kennen zulernen. "Ich denke mal die Marine würde mehr für die junge Black zahlen, um endlich ihren Vater zu kriegen.", murmelte Anglachel durch ein Lachen heraus. Hinter den Vorhängen der Bühne fand er diese auch, eine Teleschnecke die an mehreren Lautsprechern angeschlossen war.
    Danach ging der Schiffszimmern zur großen Eingangstür und besah sich diese genauer. Durch den Türspalt konnte er den schweren Eisenbügel sehen. "Zu groß als das man ihn verbiegen könnte.", grummelte Anglachel und wanderte missmutig durch die Halle zurück zu seinem Sitzplatz. Dort angekommen zog er sich seinen Mantel aus, und packte diesen in seinen Werkzeugkasten.
    Gerade als er auf die Bühne sprang, um nach den beiden Gefallenen zu sehen rief Jennifer nach ihm und den Musiker. "Bin schon da.", antwortete Anglachel aufmunternd, "Habe mir die Tür angesehen, da kommmen wir wirklich nicht raus. Ausserdem besteht die Möglichkeit, dass hier überall Übertragungsschnecken sind die uns beobachten. Aber wie geht es euch beiden da unten? Alles in Ordnung, alles am richtigen Platz? Nichts gebrochen?".
    Er spähte hinab ins Dunkele, konnte jedoch durch den Lichteinfall die beiden relativ gut erkennen. "Oh großer Shien,", begann Anglachel leicht lächelnd, "Wie gedenkt ihr uns hier heraus zubringen?"
     
  12. Livy

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    Noch immer in schwärzester Dunkelheit sitzend hörte Shien, wie sich seine Kameraden darum bemühten, die junge Black und ihn aus ihrem Gefängnis zu befreien. Jens aufmunternde Worte trafen ihn dabei besonders. "Captain? Der Shien, von dem ich gehört habe, gibt nicht so leicht auf. Dieser Spülberg ist ein Idiot. Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit, wobei ersteres nicht bewiesen ist" *Sie hat mich tatsächlich schon Käpt'n genannt... was für ein... erhebendes Gefühl...*
    Als sich dann auch der Musiker und ihr ehemaliger Führer zu Wort meldeten erhob sich Shien und stellte sich breitbeinig auf den hölzernen Boden. *Ich darf mich nicht so hängen lassen!! Ich bin der schwarze Shien, und noch ist nicht aller Tage Abend! Was wäre das schließlich für ein lächerliches Ende für eine Geschichte? 'Der Held wurde gefangen und fristete den Rest seines Lebens als Geisel.' Einfach widerlich!* Mit festen Schritten postierte er sich direkt auf dem kleinen Quadrat aus Licht und blickte nach oben. Mit lauter Stimme rief er: "Fürchtet euch nicht, meine tapferen Kameraden! Ich, der schwarze Shien, werde uns aus dieser misslichen Lage befreien!!"
    Shien wandte sich wieder dem Raum unter der Bühne zu und schaute sich um. Was hatte Spülberg noch einmal gesagt? *Es gibt zwei Wege hier raus... entweder versuchen wir aus diesem Loch rauszukommen, oder wir nehmen die Tür hier unten im Keller... dafür müssten wir allerdings zuerst einmal wissen, wo diese ominöse Tür ist, was bei einem stockfinsteren Keller schwer werden dürfte...*
    Ein Geistesblitz durchzuckte den schwarzen Shien. Sofort grabschte er nach dem Heft seines Schwertes und riss es geradezu aus dessen Scheide. Wie zuvor, bei dem Kampf gegen die Matrosen, hielt er es als erstes quer vor sich - dieses Mal jedoch nicht, um eine Show abzuziehen, sondern, um das helle Licht, das durch die Luke über ihnen fiel, zu reflektieren, um so zumindest einen kleinen, winzigen Eindruck von den Ausmaßen des Raumes zu bekommen. Nicht zum ersten Mal machte es sich auf diese Weise bezahlt, dass der Schauspieler penibel genau darauf achtete, seine Klinge stets auf Hochglanz zu polieren. Eine dünne, weiße Linie erschien im Raum - ein kleiner heller Streifen am dunklen Horizont. *Was für eine zauberhafte Umschreibung...*
    Der weiße Streifen entblöste zuerst eine Art dunkler Plane. Shien bewegte die Klinge vrsichtig hoch und runter, um so, so gut es eben ging, den Raum zu erkunden. Die Plane bedeckte offenbar eine Kiste, die neben zahlreichen weiteren und ein paar Fässern stand. Weiterhin befanden sich in diesem etwa zwanzig mal zwanzig Meter großen Raum ein paar leere Kleiderständer, alte, kratzige Seile, breite Holzfassaden - offenbar ungenutzte Kulissen - und...
    *Dort ist sie!!!*
    ... eine schmale Tür in etwa zehn Metern Entfernung aus dem selben Holz, aus dem die Bühne gemacht war. Das Portal machte einen außerordentlich alten Eindruck. *Wäre doch gelacht, wenn wir dieses Ding nicht aufbekommen! Jen hatte Recht: Spülberg war dumm und leichtsinnig. Wie jeder Antagonist wog er sich zu sehr in Sicherheit und verplapperte sich!*
    Shien hielt den Strahl der Klinge auf das Schloss der Tür gerichtet während er sich zu Jenny drehte. "Mylady, könntet ihr bitte dieses veraltete Ding untersuchen? Und ihr da oben...", er drehte seinen Kopf Richtung Bühne, "... ihr kommt am besten hier runter. Es sind nur ein paar Meter, also werdet ihr euch wohl kaum ernsthaft verletzen. Die Tür da oben können wir vergessen, wir haben hier unten etwas viel besseres!"
     
  13. Schön offenbar waren Musiker und Zimmermann doch zu etwas zu gebrauchen. Halb verärgert halb belustigt wandte sie sich zu ihm um und sah, dass er sein Schwert aus der Scheide zog."Habe mir die Tür angesehen, da kommmen wir wirklich nicht raus. Ausserdem besteht die Möglichkeit, dass hier überall Übertragungsschnecken sind die uns beobachten. Aber wie geht es euch beiden da unten? Alles in Ordnung, alles am richtigen Platz? Nichts gebrochen?", hörte sie Anglachel fragen und sie sah an sich hinunter. „Alles noch dran, danke der Nachfrage“, beantwortete sie die Frage und sah dann zu Shien, der sich in dem halbwegs erleuchteten Raum umsah. Seufzend wollte Jenny den zweien vorschlagen hinunter zu springen, doch ihr Kapitän kam ihr zuvor. Dann fiel ihr auf, dass sie genau unter dem Loch stand, durch das die zwei vermutlich bald hindurch springen würden, deshalb sprang sie hastig einige Schritte zurück und wurde dann von Shiens reflektierendem Schwert geblendet. Offenbar untersuchte er den Raum, denn nach oben kamen sie nicht… und außerdem saßen sie oben genauso in der Falle wie hier. Zudem waren sie sich wahrscheinlich alle in einem Punkt einig: Sie mussten hier raus. Wenn Shien sich aufopfern oder irgendetwas Derartiges tun wollte, das war ihr herzlich egal. Dann war das seine Entscheidung. Aber: Sobald dieser Spülberg mitbekommen würde, wie ihr Name war (und das war nicht allzu schwer, das ganze Königreich wusste dank ihrem hirnlosen Auftritt in der Wild Cherry vermutlich nun wer sie war), dann wäre sie nicht mehr sicher vor ihm. Und im Gegensatz zu Shiens Eltern, würden ihre Eltern sogar die Blackwing für Jennifers Leben geben…

    Genial“, murmelte sie und sah ihren Kapitän mit dem höchsten Respekt an. "Mylady, könntet ihr bitte dieses veraltete Ding untersuchen? Und ihr da oben...", sagte der wie ausgewechselte Shien und Jenny wandte sich um. Offenbar hatte er etwas entdeckt. Was Jenny in dem schmalen Lichtkegel sah, war eine Tür und sie musste lächeln. Mit wenigen Schritten gelangte sie an dem alten, rostigen Ding an. Das Schloss, das an der Tür befestigt war, wurde von den feinfühligen Fingern der jungen Black untersucht – ihre Untersuchung endete mit einem Lächeln. Sie fuhr sich mit der Hand durchs Haar und durch die verwelkten Blumen darin. „Verzeiht“, murmelte sie leise zu den Blumen hin, als diese aus ihrem Haar fielen, da sie die Haarnadel löste, die sie dort oben befestigt hatten. Schweren Herzens sah sie die Blumen zu Boden fallen, doch nur für den Bruchteil einer Sekunde schien es, als würde sie zögern. Dann konzentrierte sie sich auf das Schloss vor sich. „Sir, ein wenig mehr nach links bitte“, sagte sie und hockte sich seitlich, sodass sie den Lichtstrahl von Shiens Schwert nicht daran hinderte auf das Schloss zu scheinen. Mit dem Ohr neben dem Schloss und der Nadel in der linken Hand fummelte sie einige Zeit lang erfolglos herum – doch sie wäre keine Black, wenn sie nicht die Willenskraft besitzen würde, das verdammte Schloss aufzukriegen. Irgendwann machte es *klick* und das Schloss sowie die Tür sprangen auf. Die Haarnadel ließ Jenny in die Tasche ihrer Bluejeans gleiten, dann zog sie die Tasche erneut hoch auf die Schulter und zuckte dann zusammen. „Verzeihung, Captain“, sagte sie und sprach das Wort mit einer Menge Nachdruck aus. „Ihr solltet vorgehen“, sagte sie. Nicht jedoch, um ihn in mögliche Fallen tappen zu lassen, sondern ganz einfach weil sie gerne das Schlusslicht bilden wollte und dem Kapitän ohnehin der Vortritt gewährt war.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 24. Mai 2009
  14. Sona

    Sona Guest

    ... ihr kommt am besten hier runter. Es sind nur ein paar Meter, also werdet ihr euch wohl kaum ernsthaft verletzen. Die Tür da oben können wir vergessen, wir haben hier unten etwas viel besseres! Na prima, erst mein Knie und jetzt vielleicht noch mehr? Ihr seid wahnsinnig!, worauf er aus der kauernden Position hinaus in einen Halbstand glitt und sich elegant in die Dunkelheit fallen ließ. Da Sona nicht abschätzen konnte wie tief es nun wirklich ist, machte er sich auf alles gefasst. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum er auch nach dem Landen kurzzeitig dachte, dass er weiterhin fiel. An sich falle ich ja auch noch – jedoch hinauf.
    Es kribbelte ihm am ganzen Körper, so sehr, dass Augen, Ohren und Mund energisch und nur Schlimmes vermittelnd zuckten. Das Gefühl der Aufregung, der ehrlichen und freudigen Neugier, war für Sona eine neue Brotsorte – und er hatte Hunger. Als er sich umblickte, oder zumindest versuchte, seine Augen an die Dunkelheit hier unten zu gewöhnen, musste er sich geschlagen geben – so aufgeregt er war, so dunkel war es auch hier unten gewesen. Nur ein Lichtschein, welcher ein vermodertes Türschloss preisgab, war die einzige erfassbare Wirklichkeit. Um mich herum, da herrscht das Nichts. Nur ein Schloss ward fest gebannt. Gebannt im Aug’, gebannt im Herz – bald elend verbrannt. Ich folge dir und folge dir! Wohin die Reise gehen mag! Ich folge dir und folge dir! Und das bis auf den letzten Tag! Auch wenn ich einst verbrennen mag, ich folge dir! Sona lief ein Schauer über den Rücken, als ihm dieses Gedicht, welches er als Straßenkind einmal mitgehört hatte, wieder einfiel. Schon damals hatte es ihm zwar gefallen, doch stets dafür gesorgt, dass die Nacht für Sona sehr lang und beinahe paranoid wurde. Und dabei ist es nur die Leidenschaft! Die Leidenschaft für Dynamik!
    Er konnte erkennen wie die Grünhaarige am Schloss selbst hantierte, es wahrscheinlich aufmachen wollte. Nicht erschrecken, Herr Shien So heißt er also. Der Name passt. meine Wenigkeit, Sona, der Musiker, ist Ihnen in die Dunkelheit gefolgt. Ich nehme an, dass Loyalität ein wichtiges Gut sein wird, wenn der Weber der Schicksale einen Teppich mit unseren Mustern schaffen will. Sona verbeugte sich lächerlicherweise so tief er konnte und bemerkte erst beim Aufkommen wieder, dass die Dunkelheit nicht nur für ihn sichtbar sein sollte. Sich jetzt vorzustellen – welch’ vorzügliche Idee.
    Die Grünhaarige beendet ihre Arbeit, anscheinend mit einem Ergebnis, und wandte sich zu Shien: Verzeihung, Captain… Ihr solltet vorgehen.
    Entschuldigung?! Ihr wollt einer Tür folgen, die euch ins Nirgendwo tragen könnte? Völlig ohne eine Ahnung, was Euch erwartet? Köstlich! Wohlbefinden dürfte in Zukunft nicht selten zu Besuch kommen.
     
  15. "Einen Moment ich komme gleich nach", antwortete Anglachel und sah, wie der Musiker nach einem zögern in die Tiefe sprang. Anglachel ging langsam Richtung Sitzplatz, sprang von der Bühne und hob an seinem Ziel angekommen seinen Werkzeugkasten hoch. Etwas genauer nahm er nochmals den Saal unter die Lupe, um noch irgendetwas hilfreiches zu entdecken.
    Tatsächlich hingen einige Kronleuchter im Raum herum und auch ein paar Kerzenhalter zierten die Wände. Mit einem zufriedenen Grinsen steckte Anglachel die ziemlich abgebrannten Kerzen ein und bewegte sich Richtung Bühne. Dort angekommen sah er nochmals hinab in die Fallgrube, um sich zu vergewissern auf niemanden zu Landen. Dann sprang er hinunter, landete auf seinen Füßen und fing den Druck des Stoßens durch eine Kniebeugung ab. "Ich habe ein paar Kerzen mitgenommen, damit wir im Falle eines Falles wenigstens etwas Licht haben.", sagte Anglachel und suchte seine Streichhölzer.
    Er zündete eine Kerze an und gab sie dem Musiker, zwei weitere zündete er mit der bereits entfachten Kerze an. Jetzt erst bemerkte Anglachel, dass Jennifer neben einer Tür stand und ein Vorhängeschloss in der Hand hielt. Shien guckte bereits neugierig in die dunkele weite des auf die Gruppe wartenden Weg zum Ausgang. "Mal schauen ob wir Glück haben durch das Labyrinth zu kommen, oder er uns einfach nur eine Lüge aufgetischt hatte", bemerkte Anglachel leicht belustigt durch den Gedanken, dass bereits 5 m weiter der Ausgang liegen könnte. Dann reichte er Jennifer eine der beiden Kerzen und entzündete den Docht einer vierten und überreichte diese dem Kapitän. "Ich nehme mal stark an ihr werdet voran gehen, nicht wahr Piratenkapitän und Schauspielmeister Shien?", sprach Anglachel den weißhaarigen an und versuchte die selbe Wortwahl wie dieser zu nutzen.
    "Achja da war ja noch was", dachte sich Anglachel plötzlich und sprach dann den Geiger an, "Wie ist eigentlich dein Name?".
     
  16. Livy

    Livy Inaktiv

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    Alles lief wir am Schnürchen: Die junge Black bekam das Schloss überraschend hurtig auf, der Musiker und der ehemalige Führer brachten gefahrlos den Weg nach unten hinter sich, und letzterer zückte dann auch noch ein paar Kerzen. Und Streichhölzer hatte er auch noch dabei!
    *Zum ersten Mal besuche ich eine fremde Insel, und schon treffe ich auf drei solch nette und pfiffige Begleiter. Was kann sich der zukünftige König der Piraten denn nur noch mehr wünschen?*
    Sonas (so war also sein Name!) kleiner Kommentar bezüglich Loyalität gab dem schwarzen Shien dann den Rest. Fast hätte Shien in einem Anflug von Freude und Dankbarkeit vergessen können, dass er und seine Kameraden gerade von einem durchgeknallten Erpresser in eine Falle gelockt wurden... wären da nicht die schwarze Dunkelheit, die widerlich feuchte Luft und der endlose Gang, der sich vor der kleinen Gruppe erstreckte, gewesen.
    Zuversichtlich nickte er Jennifer zu als sie ihren kapitän bat, die Führung zu übernehmen. "Selbstverständlich werde ich vorgehen!" Er schnappte sich eine der Kerzen des dunkelhaarigen Nicht-Musikers, schob sein glänzendes Schwert zurück in die Scheide und tat einen Schritt vorwärts, nur um von einem Kommentar des anderen Mannes unterbrochen zu werden.
    "Entschuldigung?! Ihr wollt einer Tür folgen, die euch ins Nirgendwo tragen könnte? Völlig ohne eine Ahnung, was Euch erwartet?"
    "Hyayaya, nun mal nicht so negativ!" Mit einem blitzenden Lächeln (das selbst in der nur von Kerzenlicht erhellten Dukelheit wirklich zu schimmern schien) warf er dem Musiker einen Blick über die Schulter zu und drehte sich wieder nach vorne, um weiterzugehen. "Habt ihr es denn noch nicht begriffen? Wir sind die Helden dieser Geschichte, wir werden uns schon nicht in einem dunklen Keller verirren! Und was sollte uns denn sonst schon noch hier unten passieren, hm?"

    Shien erreichte in diesem Moment eine erste Abzweigung nach links, er folgte ihr, warf den Kopf in den Nacken und begann zu lachen.
    "Hyayayayaya!"
    Sein Stimme hallte noch immer durch den Korridor als der Kapitän der Kabuki-Piraten auf ein breites, fleischiges etwas prallte, seine Kerze verlor und zurücktaumelte. "Was ist denn das...?" Die Kerze am Boden und die kleinen Flammen der Hoffnung in den Händen seiner Kameraden beleuchteten den gang gerade noch gut genug um zu erkennen, was - oder besser: wer - den vier Kameraden den Weg verpserrte: Zwei muskelbepackte, braungebrannte, hornochsennasige, schlitzäugige, glatzköpfige Krieger mit nacktem Oberkörper und jeweils einer kurzstieligen Axt. Kurz zeichnete sich Verwirrung auf dem Gesicht des schwarzen Shien ab, diese wich allerdings schnell wieder einem breiten Grinsen. "Wer hätte das denn nur gedacht..."

    Synchron holten die beiden Wächter mit ihren Waffen aus. Während der eine angriffslustig grunzte, brachte der andere zur großen Überraschung aller sogar einige Worte heraus. "Wir euch platt machen!" Shien lachte allerdings nur auf, hob seine rechte Hand, und sprach über die Schulter hinweg. "Ich hab die beiden hier beschrien, also werde ich mich auch darum kümmern, meine Gefährten!"
    Als die beiden Äxte horizontal auf Shien zurasten, ging dieser unerwartet schnell in die Hocke, und die Schneiden der Waffen klirrten aneinander. Dann zuckte sein rechtes Bein nach vorne, traf das Schienbein eines der Hühnen und sorgte dafür, dass dieser strauchelte und schließlich nach hinten umkippte. Der andere, der ungläubig auf die weiße Gestalt vor ihm hinunterblickte, war ganz einfach zu langsam, um den nächsten Hieb zu parieren. Shien packte mit beiden Händen die Saya seines Schwertes, die wie stets links an seiner Hüfte hing, riss sie hoch und traf mit dem Heft der Waffe punktgenau das Kinn des zweiten Wächters. Auch dieser strauchelte und fiel wie ein frisch gefällter Baum. Ungerührt von diesem Zwischenfall griff Shien die Kerze, die wunderbarerweise trotz ihres Sturzes noch immer brannte, stand auf, stieg mit zwei großen Schritten über die bewusstlosen Männer hinweg und ging voran. Lächelnd murmelte der Pirat dabei in sich hinein:
    "Was für ein hervorragender Tag das doch ist!"

    Schließlich setzte die kleine Gruppe ihren gemeinsamen Weg durch die dunklen Tunnel des alten Theaters fort. Wie lange es wohl dauern mochte, bis sie wieder Tageslicht erblickten? Ab und an gerieten die vier immerhin an eine Kreuzung, und Shien, der ganz und gar seinem Gefühl vertraute, traf seine Wahl jedes Mal ausschließlich aus dem Bauch heraus. Sein Grinsen verlor dabei nichts an seiner Breite, da er in seinen Gedanken immer wieder ein und denselben Satz wiederholte, immer und immer wieder.
    *Meine Geschichte wird nicht in einem Tunnel enden.
    Meine Geschichte wird nicht in einem Tunnel enden. Meine Geschichte wird nicht in einem Tunnel enden. Meine Geschichte wird nicht in einem Tunnel enden. Meine Geschichte wird nicht in einem Tunnel enden*
    Keiner seiner Begleiter sprach ein Wort. Weder Jennifer Black, die etwas scheue Grazie, noch Sougon N. Nasshingu, der leicht tollpatschige Musiker oder der noch immer namenlose Fremde, der Jennifer und ihn in die wilde Kirsche geführt und ihnen dort bei ihrem kleinen Scharmützel zur Seite gestanden hatte. *Bei Gelegenheit muss ich ihn mal nach seinem Namen fragen... aber nicht jetzt. Jetzt muss ich mich ganz und gar auf mein Gespür als 'Held der Geschichte' konzetrieren, ansonsten finden wir hier nie...*
    In diesem Moment bog Shien an der Spitze der kleinen Wandergesellschaft um eine weitere Ecke, und was er dort sah, raubte ihm fast den Atem...

    Der Tunnel führte noch ca. hundert Meter weiter, dann endete er in einem großen Loch, durch das Licht fiel. Jenseits der Öffnung lag das Meer, und erst jetzt realisierte Shien das laute Rauschen der Wellen, die gegen die Küste schlugen. Wieder einmal war der frischgebackene Käpt'n zu sehr in seinen Gedanken versunken... Über dem schwarzen Gewässer, weit weit weg am Horizont, schien es in diesem Augenblick, als würde der Mond direkt aus dem Wasser steigen. Das silbrigweiße Licht zauberte ein Spiel von Helligkeit und Schatten auf den endlosen North Blue, und Shiens Augen weiteten sich. "Wooooooooooooow... das... das ist..."
    Hastig tippelte er hinüber zu der großen Öffnung und starrte auf den Mond. Dann ließ er seinen Blick schweifen und erkannte, dass er und seine Kameraden direkt am Meer wieder das Licht der Welt erblicken durften. *Wir sind wirklich am Meer... das heißt...* Shien blickte kurz nach unten und lächelte beim Anblick des schmalen Kais. Ohne zurückzuschauen nahm Shien ein paar Schritte Anlauf, sprintete los, sprang durch das große Loch und schrie:

    "HYAYAYAYAYAYAYAYAYAYAYAYAYAYA!!!"

    Nach: Der Hafen Lvneels
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Aug. 2009
  17. Entschuldigung?! Ihr wollt einer Tür folgen, die euch ins Nirgendwo tragen könnte? Völlig ohne eine Ahnung, was Euch erwartet? Jenny wandte sich abrupt um, sah kurz zu Shien und nickte dann wie selbstverständlich. „Ähm, jap“, antwortete sie knapp, ehe sie ihren Weg fortsetze. Hinter Shien her in die Dunkelheit, die lediglich von ihren Kerzen beleuchtet wurde. Den Kerzenüberrest, den sie in der Hand hielt, flackerte vor sich hin und ließ Wachs auf den Boden tropfen. So gingen sie die Gänge entlang. Scheinbar ziellos. Doch das Labyrinth von dem Spülberg gesprochen hatte konnte Jenny nicht nachweisen. Alles was sie hier sah, war ein Gang, der nur selten abzweigte. Nur einen. Auf einmal machte es „platsch“ und Shien, der ganz vorne ging, taumelte zurück. Die junge Black hatte das Schlusslicht übernommen, deshalb sah sie angestrengt an den anderen vorbei, um zu sehen, was ihnen den Weg versperrte. „Klops“, dachte sie und schüttelte den Kopf. Dann legte sie den Kopf schief und korrigierte innerlich die Grammatik der Knödel da vorne… währenddessen nahm sich ihr hoffentlich zukünftiger Kapitän den beiden an. Nach wenigen Sekunden war die Sache aus der Welt und sie stiegen über die Fleischberge hinweg um ihren Weg fortzusetzen. Die junge Black warf einen skeptischen Blick zu den beiden Idioten hinab und seufzte leise, ehe sie weiter ging. "Was für ein hervorragender Tag das doch ist!", sagte Shien und Jenny lächelte vergnügt. „Oh ja, hervorragend“. Doch innerlich lachte sie: „Abgesehen davon, dass wir in einem hässlichen Keller feststecken. Ganz ohne Sonnenlicht… ganz ohne Blumen… ja, wahrhaft herrlich“.
    Ein ums anderes Mal fragte sich Jenny, ob Shien wohl eine Karte hatte. Doch ihre navigatorischen Fähigkeiten sagten ihr, dass sie keinesfalls im Kreis liefen. Auch kamen sie nur ein einziges Mal an einer Stelle ein zweites Mal vorbei… also nichts Weltumstürzendes. "Wooooooooooooow... das... das ist...", schrie Shien auf und Jenny hob den Blick. Dann warf sie den abgebrannten Kerzenstummel in die nächstbeste Ecke und ließ das getrocknete Wachs von ihren Händen fallen. „Licht“, stellte sie fest und half damit dem Kapitän auf die Sprünge.

    "HYAYAYAYAYAYAYAYAYAYAYAYAYAYA!!!"

    …und Jenny hielt sich erschrocken die Ohren zu. Einen Fehler hatte dieser Kerl: Er war um mindestens hundert Dezibel zu laut.

    Nach: Der Hafen Lvneels
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Aug. 2009
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